Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


Hinterlasse einen Kommentar

Ein Allerweltsgesicht & außergewöhnliche Geschichten

Ayelet Gundar-Goshen – Eine Nacht, Markowitz

Jakob Markowitz ist weder schön noch hässlich; sein Allerweltsgesicht ist vollkommen mittelmäßig und nichtssagend, „[so] nichtssagend, dass das Auge kaum darauf verharren konnte, sondern zu anderen Dingen weiterglitt […] Um Jakob Markowitz‘ langweilige Züge eingehender zu erforschen, waren ungeheure Anstrengungen erforderlich.“

2018-05-05 08.23.36.jpg

Für die Irgun, die sich zu diesem Zeitpunkt im Untergrund gegen die britische Mandatsmacht in Palästina organisiert, schmuggelt Markowitz Waffen; kein britischer Soldat sieht zweimal hin, wenn der Mann an ihm vorbeigeht. Ansonsten bestellt Markowitz ein kleines Feld in seiner Moschawa; abends füttert er die Tauben hinter seinem Haus. Bis sich – wie so oft in seinem Leben fremdbestimmt – etwas ändert: Um Seev Feinberg, seinem einzigen Freund, zu helfen, verlässt Markowitz mit Feinberg die Moschawa. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Irgun reisen sie ins nationalsozialistische Europa um dort jüdischen Frauen mit einer Heirat die Flucht nach Palästina zu ermöglichen. Eigentlich, so ist es vereinbart, soll bei Ankunft dann die Scheidung vollzogen werden um den Frauen in jeder Hinsicht Freiheit zu geben. Doch als Jakob Markowitz die für ihn bestimmte Frau sieht, trifft er zum ersten Mal in seinem Leben selbst eine Entscheidung: Dieser Frau wird er die Scheidung nicht gewähren. So sehr Bella auch tobt und fordert, so sehr Seev Feinberg auf den Freund einredet, Markowitz bleibt stur, bezieht das Sofa in seinem Wohnzimmer und ändert seine Meinung auch nicht, als Bellas Wut das Haus von innen völlig auskühlen lässt und sie ihm später ein Kuckuckskind präsentiert.

Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Ritter und Prinzen, Feen und böse Zauberer

[Hörbuch] Tausend und Ein Tag. Morgenländische Erzählungen.

1704 erschien quasi der erste europäische Bestseller: Les mille et une nuit. Zu Deutsch: Tausend und Eine Nacht. Die Erzählungen wurden zwischen 1704 und 1717 von dem Franzosen Antoine Galland übersetzt und veröffentlicht und begründeten den Orientalismus in Europa. Diese Geschichten basieren auf Texten, die im neunten Jahrhundert im Auftrag des Kalifen al-Mamun zusammengetragen worden waren. Die Texte stammten aud den verschiedensten Kulturkreisen und wurden durch al-Mamuns Gelehrte bearbeitet, mit arabischen Namen und Bezeichnungen bestückt; islamisch-orthodoxe Gepflogenheiten wurden eingepflegt. In der Geschichtensammlung fanden sich  Fabeln von Aesop, Passagen aus dem indischen Pancatantram, Auszüge aus dem altpersischen Erzählzyklus Von der List und Tücke der Frauen, sowie Anleihen bei Homer.

2018-02-11 10.45.27.jpg

Während Antoine Galland an seiner Kompilation Tausend und eine Nacht arbeitete, saß ein gewisser Pétis de La Croix ebenfalls an der Übersetzung orientalischen Erzählgutes. Diese Sammlung wurde 1707 im selben Verlag veröffentlicht, der auch Tausend und eine Nacht publizierte. Vereinzelt finden sich inhaltliche Überschneidungen – so hat der Verlag drei Erzählungen aus de Le Croix‘ Sammlung in einem der späteren Bände von Gallands Werk mit aufgenommen. Um einer Verwechslulng vorzubeugen, entschied sich der Verlag, das Werk von de La Croix unter dem Titel Tausend und ein Tag zu publizieren.

Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Mädchen, Ehefrau, Geliebte, Großmutter

menasse-cover

Eva Menasse – Quasikristalle

Menschen reifen und wachsen, sie überdenken ihre Ziele und Wünsche, sie krempeln ihr Leben um und sehen sich plötzlich mit unvorhergesehenen Situationen konfrontiert. Oder bleibt der Mensch an sich gleich und zeigt nur in verschiedenen Situationen ein anderes Gesicht? Präsentieren wir dem Vermieter eine Version unserer selbst, dem Ehemann eine andere, und den Enkeln noch eine weitere?

Weiterlesen