Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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„Wir sind alle Mörder“

Wajdi Mouawad – Anima

Wahsch Dibsch kommt abends nach Hause und findet seine Frau Léonie tot auf dem Boden. Zuerst denkt er an einen grausamen Scherz, einen theatralischen Akt Léonies, die gleich aufspringen wird um ihn anzulachen. Aber das ist kein Scherz und kein theatralischer Akt. Beobachtet wird Wahsch von der Katze des Paares. Sie fungiert als erste Erzählstimme. Sie macht den Anfang in einer Reihe von Tierstimmen, denn jede Szene, die folgt, jeder Schritt, den Wahsch unternimmt, wird von Tieren beobachtet und beschrieben. Da ist der Fisch im Untersuchungsraum des Gerichtsmediziners, der Rabe auf dem Friedhof bei Léonies Beerdigung. Spinnen, Marienkäfer und Wanderratten sind ebenfall Teil des Reigens.

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Wahsch erfährt, wer der Mörder seiner Frau ist, doch weil dieser Informant der Polizei in laufenden Ermittlungen ist, passiert nichts weiter. Er macht sich also selbst auf den Weg um den Mörder zu suchen und ihm in die Augen zu sehen.

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Mary Shelley, die Brüder Grimm & ein Monster namens Frankenstein

Olaf Trunschke – Die Kinetik der Lügen

Im Sommer 1816 verbringt der berüchtigte Dichterfürst Lord Byron einige Wochen am Genfersee. Mit dabei: Mary  Godwin (spätere Shelley) mit dem Dichter Percy Shelley und dem gemeinsamen Kind, Marys Stiefschwester Claire und der Arzt Dr. Polidori, den Byron eigens für die Reise engagiert hat. Byron selbst hat sich nach Genf aufgemacht um einer unschönen Scheidung, bösen Gerüchten über die Beziehung zu seiner Stiefschwester Augusta und einer Vielzahl an Gläubigern zu entkommen.

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Eden in Arizona

T. C. Boyle – The Terranauts (Die Terranauten)

Es sind die frühen Neunziger und Jeremiah Reed hat eine Idee: In dem Bestreben, die Menschheit auf ein mögliches Ende der Erde vorzubereiten, will er unter Glas eine künstliche Ökosphäre schaffen um auf die Kolonialisierung des Weltraums hinzuarbeiten. Der erste Durchlauf ist gescheitert – die Crew von vier Männern und vier Frauen, die zwei Jahre lang unter Glas leben sollte, muss frühzeitig befreit werden. Der zweite Durchlauf muss besser funktionieren. Unter keinen Umständen soll die Isolation vor Ablauf der zwei Jahre gebrochen werden.

Doch was als Arche beginnt, die das Projekt zu neuen Höhen tragen soll, wird zum Garten Eden. Liebeleien unter den Teilnehmern entfachen Eifersucht, das Essen wird knapp und die Gruppe zerbricht in Splittergruppen. Als die Beziehung zwischen zweien der Teilnehmer dann auch noch die besondere Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht, ist es mit jeglicher Harmonie schlussendlich vorbei.

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