Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Von Geistern und Symphonien

Irène Némirovsky – Pariser Symphonie 9783717524120_Cover

Wer einmal im Schicksal der Familie Hardelot versunken ist, oder sich der süßen Einsamkeit hingegeben hat, der weiß, dass Irène Némirovsky tolle Romane schreibt: Man versinkt spielend leicht in ihnen und kann das Gelesene lange Zeit nicht abschütteln. Wer Pariser Symphonie gelesen hat, eine Geschichtensammlung der Autorin, die nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, der weiß, dass Irène Némirovsky tatsächlich auch fabelhafte Kurzgeschichten schaffen konnte. Dass es sich um eine experementierfreudige und vielseitige Schriftstellerin handelte, der wenige Seiten genügten, um einen bleibenderen Eindruck zu hinterlassen als es mancher Schriftstellermit einem großen Roman zu tun vermag.

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Meister seines Fachs

Stefan Zweig – Buchmendel // Die unsichtbare Sammlung (Topalian & Milani Verlag)

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Das Buch kann hier bestellt werden.

Der Verlag Topalian & Milani hat zwei Erzählungen von Stefan Zweig in einer liebevoll gestalteten Ausgabe neu aufgelegt.

Buchmendel

Der Erzähler flieht vor einem Regenguss in ein Café. Nach einer Weile fällt ihm auf, dass er es kennt. Vor Jahren ist er als junger Student mit einem Kommilitonen hier gewesen weil er auf der Suche nach einem schwer zu beschaffenden Buch war. Für diese Suche hat er Unterstützung von „dem Buchmendel“ erhalten. Dabei handelte es sich um Jakob Mendel, einen „Magier und Makler der Bücher“, der jahrelang an einem chaotischen Marmortischchen in einer Ecke dieses Cafés saß und bei der Suche nach den absurdesten Büchern helfen konnte. Kein Buch, dessen antiquarische Eckdaten er nicht im Kopf hatte und besorgen konnte. Als der Erzähler sich Jahre später dessen entsinnt, sucht er Buchmendels Tisch, doch der Mann ist nicht da.

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Eindrücke einer verlorenen Generation

Pierre Drieu La Rochelle – Die Komödie von Charleroi

„Der Krieg ist niemals rein gewesen. Zum einen wurde er nie einzig von denen geführt, denen er gefiel, und diese waren immer versucht, ihn gegen die anderen zu führen statt gegen ihresgleichen.“

Sechs Novellen sind in diesem Buch vereint. Sie alle drehen sich um die Erfahrungen der „Verlorenen Generation“, um Erlebnisse in den Schützengräben während des Ersten Weltkriegs oder in den Straßen von Paris in den Jahren danach, in denen die überlebenden Heimkehrer ratlos durch diese friedliche Zeit taumeln. charleroi

Die erste der Novellen, die dem Band ihren Namen leiht, folgt einem dieser Überlebenden Jahre nach Kriegsende zurück auf die Schlachtfelder. Im Schlepptau seiner Arbeitgeberin, der reichen Madame Pragen, bereist er die Gegend in der ihr Sohn, sein Kamerad, gefallen ist. Madame Pragen macht aus dieser persönlichen, fast intimen, Erfahrung, ein öfffentliches Ereignis. Sie spendet sein Jahren großzügig an die Dörfer in dieser Gegend damit die Erinnerung an ihren Jungen erhalten bleibt und will nun nicht nur sehen wo ihr einziges Kind gestorben ist, sondern auch die Überreste des Leichnams begutachten, bei dem man davon ausgeht, dass es ihr Sohn sein könnte. Einer Mutter dabei zuzusehen, wie sie sich krampfhaft und mit allen Mitteln bemüht, sich selbst davon zu überzeugen, dass ihr Sohn für eine große Sache und nicht umsonst gestorben ist, ist erschütternd.

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