Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Diesen Mann will ich gar nicht kennen

Carl Frode Tiller – Kennen Sie diesen Mann?

David hat sein Gedächtnis verloren; er weiß nicht mehr, wer er ist. Um ihm dabei zu helfen, sich selbst wieder kennen zu lernen und Erinnerungen wieder zu erlangen, schreiben ihm drei Menschen Briefe. Sein Jugendfreund Jon ist einer der drei; gefolgt von seinem Stiefvater Arvid und seiner Jugendliebe Silja.

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Jeder der drei begreift den Anlass als Chance, über sich selbst zu schreiben. So lernt der Leser deutlich mehr über Jon, Arvid und Silja, als über David selbst, um den die drei Erzählstimmen ihre Kreise ziehen.
Das, was man über David erfährt, bezieht sich vor allem auf den Jugendlichen. Da es sich bei Kennen Sie diesen Mann? um den ersten Band einer Trilogie handelt, werden in den kommenden Bänden wohl Stimmen anderer Weggefährten zu Wort kommen, die David in späteren Jahren begleitet haben. Ganz genau werde ich das auch zukünftig nicht sagen können, denn nach der Qual dieses ersten Bandes werde ich mir die folgenden Bücher mit Sicherheit nicht antun.

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Geplatzte Träume und enttäuschte Hoffnungen

Stefan Brijs – Taxi Curaçao

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An einem Morgen im Jahr 1961 bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen Sohn Max in die Schule, die von der Kirche in einem armen Teil Curaçaos betrieben wird. Roy Tromp ist ein Spieler, der gerne trinkt und viel erzählt wenn der Tag lang ist. Sein gesamtes Geld hat er in seinen Wagen gesteckt – einen neuen, glänzenden Dodge Matador. Als er mit Max vor der Schule vorfährt, laufen die anderen Schulkinder zusammen und bestaunen das prächtige Gefährt.

Roy Tromp hat einen Traum: „Tromp und Sohn“ – denn auch in zweiter Generation soll „Taxi Tromp“ Touristen und wohlhabende Bürger über die Insel fahren.

Max Tromp träumt von anderem: Er will Lehrer werden. Darin bestärkt ihn Bruder Daniel, der ihn unterrichtet und bemerkt, dass der Junge Talent hat. Er setzt sich dafür ein, dass ihm ein Stipendium für den Besuch einer weiterführenden Schule zukommt.

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Eine zauberhafte Geschichte mit einem Gastauftritt Sigmund Freuds

Robert Seethaler – Der Trafikant

Den Kopf voller Träume und vollkommen blauäugig verlässt der 17-jährige Franz im Sommer 1937 sein Heimatdorf im Salzkammergut und macht sich auf den Weg nach Wien. Dort soll er bei Otto Trsnjek, einem alten Freund seiner Mutter, das Trafikanten-Geschäft erlernen (eine Trafik, am Rande bemerkt, ist ein kleines Tabak- und Zeitungsgeschäft). Trsnjek, der im ersten Weltkrieg ein Bein verloren hat, nimmt den jungen Franz auf seine brummelnde Art unter seine Fittiche und weist ihn schrittweise in das Trafikanten-Dasein ein. Den Großteil seiner Tage sitzt Franz fortan neben der Tür und liest auf Geheiß seines Ausbilders die Zeitungen von vorne bis hinten durch. Ein guter Trafikant muss schließlich informiert sein und diese tägliche Zeitungslektüre formt Franz nachhaltig: „Es war eine Ahnung, die da zwischen den vielen Druckbuchstaben herausraschelte, eine kleine Ahnung von den Möglichkeiten der Welt.“

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