Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


Ein Kommentar

„Claudius the Idiot“

Robert Graves – I, Claudius (Ich, Claudius, Kaiser und Gott)

2018-05-12 10.06.43.jpgDer römische Kaiser Claudius (10 v. Chr. – 54 n. Chr.) ist bereits 51, als er nach der Ermordung seines Neffen Caligula durch die Prätorianer gegen seinen Willen zum Imperator ausgerufen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der unscheinbare Mann beinahe keinerlei öffentliches Amt bekleidet und obwohl er der Herrscherfamilie seiner Zeit angehört, hält sich sein politischer Einfluss bis dahin in engen Grenzen. Zugleich ist er einer von wenigen Männern seiner Generation und seiner Familie, die überhaupt so alt werden; seine Brüder und Cousins sind in den Jahren zuvor einer Reihe von Intrigen zum Opfer gefallen, weil sie verschiedenen anderen Männern (oder ehrgeizigen Müttern) im Weg standen. Nicht so Claudius, der aufgrund diverser körperlicher Beeinträchtigungen und einem ausgeprägten Sprachfehler oft belächelt wird (eine Reihe Historiker hat inzwischen die Vermutung geäußert, Claudius könne an Zerebralparese gelitten haben).

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Vergil reloaded

Ursula Le Guin – Lavinia

Einzig erhielt ihm das Haus und die reichen Besitzungen eine Tochter, bereits volljährig, zur Brautschaft reif und zur Ehe.
Freier umwarben sie viel aus Latium und aus dem ganzen Ausonerland; es umwarb sie vor allen der Jünglinge schönster,
Turnus, berühmt durch Ahnen und Urahnherren. Des Königs
Gattin wünscht‘ ihn sich selbst mit besonderer Liebe zum Eidam.
Göttliche Warnung jedoch mit mancherlei Schrecken verwehrt es.

(aus: Vergil; Aeneis)

Vergils Aeneis ist das römische Nationalepos. Zwischen 29 und 19 v. Chr. entstanden, wird darin der Gründungsmythos des römischen Reiches erzählt. Nicht nur werden die Römer darin als direkte Nachfahren der Trojaner dargestellt; Gründung und Aufstieg Roms werden auch als göttlicher Willen geschildert. Aeneas wird als pflichtbewusster Held gezeichnet, der seinen Vater ehrt und den Göttern auch dann gehorcht, wenn er es eigentlich nicht möchte (alles Attribute, die Augustus, dem römischen Kaiser zu Lebzeiten Vergils, auf dessen Drängen hin der Dichter den Epos begann, gut gefallen haben dürften).

Die Aeneis erzählt von der Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja, die ihn nach vielen Irrungen und Wirrungen nach Latium führt, wo seine Nachfahren später zu den Gründern Roms werden sollen. Latinus, der König Latiums, empfängt den Fremden mit offenen Armen. Von ihm ist in dem Zitat oben die Rede. Von ihm und von seiner Tochter – Lavinia. Dieser Lavinia, die Aeneas als Zeichen des guten Willens als Ehefrau übergeben wird, widmet Vergil einige wenige Zeilen in seinem Epos; viel wichtiger sind darin andere Frauen wie Dido, die Königin Karthagos, der Aeneas auf seinem Weg nach Latium begegnet und die sich, als der Trojaner wieder von dannen zieht, umbringt und verbrennen lässt.

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„Lend me your ears“… an diesen Iden des März

Man muss ja eigentlich am 15. März kurz über Shakespeare reden. Genauer gesagt, Shakespeares Drama Julius Caesar, das die Verschwörung rund um Brutus zum Thema hat. Am 15. März 44 vor Christus, also laut römischem Kalender an den Iden des März, ersticht eine Gruppe römischer Senatoren Julius Caesar während einer Senatssitzung – angeführt von Brutus und Cassius.

The_death_of_caesar_Etching by J.C. Armytage after J.L. Gérome.

„The Death of Caesar“. Stich von J.C. Armytage nach J.L. Gérome. Wellcome Images.

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