Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Vergil reloaded

Ursula Le Guin – Lavinia

Einzig erhielt ihm das Haus und die reichen Besitzungen eine Tochter, bereits volljährig, zur Brautschaft reif und zur Ehe.
Freier umwarben sie viel aus Latium und aus dem ganzen Ausonerland; es umwarb sie vor allen der Jünglinge schönster,
Turnus, berühmt durch Ahnen und Urahnherren. Des Königs
Gattin wünscht‘ ihn sich selbst mit besonderer Liebe zum Eidam.
Göttliche Warnung jedoch mit mancherlei Schrecken verwehrt es.

(aus: Vergil; Aeneis)

Vergils Aeneis ist das römische Nationalepos. Zwischen 29 und 19 v. Chr. entstanden, wird darin der Gründungsmythos des römischen Reiches erzählt. Nicht nur werden die Römer darin als direkte Nachfahren der Trojaner dargestellt; Gründung und Aufstieg Roms werden auch als göttlicher Willen geschildert. Aeneas wird als pflichtbewusster Held gezeichnet, der seinen Vater ehrt und den Göttern auch dann gehorcht, wenn er es eigentlich nicht möchte (alles Attribute, die Augustus, dem römischen Kaiser zu Lebzeiten Vergils, auf dessen Drängen hin der Dichter den Epos begann, gut gefallen haben dürften).

Die Aeneis erzählt von der Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja, die ihn nach vielen Irrungen und Wirrungen nach Latium führt, wo seine Nachfahren später zu den Gründern Roms werden sollen. Latinus, der König Latiums, empfängt den Fremden mit offenen Armen. Von ihm ist in dem Zitat oben die Rede. Von ihm und von seiner Tochter – Lavinia. Dieser Lavinia, die Aeneas als Zeichen des guten Willens als Ehefrau übergeben wird, widmet Vergil einige wenige Zeilen in seinem Epos; viel wichtiger sind darin andere Frauen wie Dido, die Königin Karthagos, der Aeneas auf seinem Weg nach Latium begegnet und die sich, als der Trojaner wieder von dannen zieht, umbringt und verbrennen lässt.

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„Lend me your ears“… an diesen Iden des März

Man muss ja eigentlich am 15. März kurz über Shakespeare reden. Genauer gesagt, Shakespeares Drama Julius Caesar, das die Verschwörung rund um Brutus zum Thema hat. Am 15. März 44 vor Christus, also laut römischem Kalender an den Iden des März, ersticht eine Gruppe römischer Senatoren Julius Caesar während einer Senatssitzung – angeführt von Brutus und Cassius.

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„The Death of Caesar“. Stich von J.C. Armytage nach J.L. Gérome. Wellcome Images.

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Das römische Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Macht

Anthony Everitt: Hadrian and the Triumph of Rome

Der römische Kaiser Hadrian (76-138) ist der heutigen Welt besonders dank seiner architektonischen Hinterlassenschaften ein Begriff (Hadrianswall, Villa Adriana). In seiner Biographie zeichnet Anthony Everitt ein umfassendes Bild des Kaisers und seiner Zeit.

Die Person Hadrian wirklich kennenzulernen und der heutigen Welt zugänglich zu machen ist keine leichte Aufgabe. Hadrian war ein Mann der Gegensätze, der zu allem Überfluss auch noch die Menschen in seiner Umgebung stark polarisierte. Von außen betrachtet müsste er ein beliebter Kaiser gewesen sein; unter seiner Herrschaft stand Rom auf dem Zenit seiner kulturellen und politischen Macht. Von einigen kleineren Querelen zu Beginn und zum Ende seiner Herrschaft abgesehen, war Hadrians Zeit eine Zeit des Friedens und Wohlstandes. Und doch war er bei den Römern nur mäßig beliebt und beim Senat hatte er zeitlebens einen schwierigen Stand. Tatsächlich waren Roms Eliten nur auf Druck von Hadrians Nachfolger dazu bereit, den Kaiser nach seinem Ableben in den Gottesstand zu erheben.

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