Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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„Wir sind alle Mörder“

Wajdi Mouawad – Anima

Wahsch Dibsch kommt abends nach Hause und findet seine Frau Léonie tot auf dem Boden. Zuerst denkt er an einen grausamen Scherz, einen theatralischen Akt Léonies, die gleich aufspringen wird um ihn anzulachen. Aber das ist kein Scherz und kein theatralischer Akt. Beobachtet wird Wahsch von der Katze des Paares. Sie fungiert als erste Erzählstimme. Sie macht den Anfang in einer Reihe von Tierstimmen, denn jede Szene, die folgt, jeder Schritt, den Wahsch unternimmt, wird von Tieren beobachtet und beschrieben. Da ist der Fisch im Untersuchungsraum des Gerichtsmediziners, der Rabe auf dem Friedhof bei Léonies Beerdigung. Spinnen, Marienkäfer und Wanderratten sind ebenfall Teil des Reigens.

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Wahsch erfährt, wer der Mörder seiner Frau ist, doch weil dieser Informant der Polizei in laufenden Ermittlungen ist, passiert nichts weiter. Er macht sich also selbst auf den Weg um den Mörder zu suchen und ihm in die Augen zu sehen.

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Ritter und Prinzen, Feen und böse Zauberer

[Hörbuch] Tausend und Ein Tag. Morgenländische Erzählungen.

1704 erschien quasi der erste europäische Bestseller: Les mille et une nuit. Zu Deutsch: Tausend und Eine Nacht. Die Erzählungen wurden zwischen 1704 und 1717 von dem Franzosen Antoine Galland übersetzt und veröffentlicht und begründeten den Orientalismus in Europa. Diese Geschichten basieren auf Texten, die im neunten Jahrhundert im Auftrag des Kalifen al-Mamun zusammengetragen worden waren. Die Texte stammten aud den verschiedensten Kulturkreisen und wurden durch al-Mamuns Gelehrte bearbeitet, mit arabischen Namen und Bezeichnungen bestückt; islamisch-orthodoxe Gepflogenheiten wurden eingepflegt. In der Geschichtensammlung fanden sich  Fabeln von Aesop, Passagen aus dem indischen Pancatantram, Auszüge aus dem altpersischen Erzählzyklus Von der List und Tücke der Frauen, sowie Anleihen bei Homer.

Während Antoine Galland an seiner Kompilation Tausend und eine Nacht arbeitete, saß ein gewisser Pétis de La Croix ebenfalls an der Übersetzung orientalischen Erzählgutes. Diese Sammlung wurde 1707 im selben Verlag veröffentlicht, der auch Tausend und eine Nacht publizierte. Vereinzelt finden sich inhaltliche Überschneidungen – so hat der Verlag drei Erzählungen aus de Le Croix‘ Sammlung in einem der späteren Bände von Gallands Werk mit aufgenommen. Um einer Verwechslulng vorzubeugen, entschied sich der Verlag, das Werk von de La Croix unter dem Titel Tausend und ein Tag zu publizieren.

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