Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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„Wir sind alle Mörder“

Wajdi Mouawad – Anima

Wahsch Dibsch kommt abends nach Hause und findet seine Frau Léonie tot auf dem Boden. Zuerst denkt er an einen grausamen Scherz, einen theatralischen Akt Léonies, die gleich aufspringen wird um ihn anzulachen. Aber das ist kein Scherz und kein theatralischer Akt. Beobachtet wird Wahsch von der Katze des Paares. Sie fungiert als erste Erzählstimme. Sie macht den Anfang in einer Reihe von Tierstimmen, denn jede Szene, die folgt, jeder Schritt, den Wahsch unternimmt, wird von Tieren beobachtet und beschrieben. Da ist der Fisch im Untersuchungsraum des Gerichtsmediziners, der Rabe auf dem Friedhof bei Léonies Beerdigung. Spinnen, Marienkäfer und Wanderratten sind ebenfall Teil des Reigens.

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Wahsch erfährt, wer der Mörder seiner Frau ist, doch weil dieser Informant der Polizei in laufenden Ermittlungen ist, passiert nichts weiter. Er macht sich also selbst auf den Weg um den Mörder zu suchen und ihm in die Augen zu sehen.

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Verschneiter Frühlingsanfang

Man könnte ja meinen, Goethe hätte mich heute Morgen an diesem Frühlingsanfang durch das Schneegestöber zur Bahn begleitet…

März (Johann Wolfgang von Goethe, 1817)

Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.
Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.
Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.