Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Der erste Band der Earthsea-Reihe

Ursula K. Le Guin – A Wizard of Earthsea (Der Magier der Erdsee)

1967, so schreibt Ursula K. Le Guin im Nachwort zu A Wizard of Earthsea, wurde das Fantasy-Genre wenig beachtet. Wenn Erwachsene an Fantasy dachten, dachten sie an Herr der Ringe und vielleicht an die ein oder andere Interpretation der Ritter der Tafelrunde. Und wenn es um Magier ging, so dachten die meisten an Merlin oder Gandalf. „Well“, schreibt Le Guin, „Merlin and Gandalf must have been young once, right? And when they were young, when they were fool kids, how did they learn to be wizards?“

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Statt eines Nachrufs: Philip Roth in his words

Der U.S.-Schriftsteller Philip Roth ist gestern im Alter von 85 Jahren gestorben und in den Feuilletons wimmelt es von Nachrufen, die Roth eine ganze Reihe an Titeln zuweisen:

Als „existenziellen Provokateur“ bezeichnet ihn beispielsweise Rainer Moritz auf Zeit Online. Bewundernd stellt Moritz fest, „kaum einem anderen Autor sind derart viele Meisterwerke gelungen wie Philip Roth“. Roth habe mit Werken wie Portnoys Beschwerden „das sexuelle Repertoire der Weltliteratur entscheidend“ bereichert.

Andreas Platthaus von der Frankfurter Allgemeinen sieht in Roth einen „Riese[n] unter den Großen“ und erinnert an das gefeierte Debüt von Roth, der im Alter von 25 Jahren 1958 in der Paris Review den Kurzroman Goodbye, Columbus veröffentlicht. Auch hier, wie in so vielen Werken Roths, spielt die Handlung in Newark, New Jersey.

Für die U.S.-Vogue beweint Bridget Read den „Giant of the American Novel“ und spricht auf Nathan  Zuckermann an, ein literarisches Alter Ego von Roth, der in einer Reihe seiner Werke auftaucht. Zuckermann tritt beispielsweise in dem 1960 erschienenen Roman American Pastoral („Amerikaniches Idyll“) ebenso in Erscheinung wie in The Counterlife („Gegenleben“) von 1986, dem 1993 veröffentlichten Operation Shylock („Operation Shylock“) und The Human Stain („Der menschliche Makel“), das 2000 erschien und 2003 mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman verfilmt wurde.

In der New York Times erinnert Charles McGrath an Roth als „the prolific, protean, and often blackly comic novelist who was a preeminent figure in 20th-century literature“. McGrath erwähnt unter anderem eine Sucht nach verschreibungspflichtigen Medikamenten, eine schwere Depression in den späten 1980ern und den Vorwurf, den eine Exfrau Roths erhoben hat: Er sei ein frauenverachtender Kontrollfreak.

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Vergil reloaded

Ursula Le Guin – Lavinia

Einzig erhielt ihm das Haus und die reichen Besitzungen eine Tochter, bereits volljährig, zur Brautschaft reif und zur Ehe.
Freier umwarben sie viel aus Latium und aus dem ganzen Ausonerland; es umwarb sie vor allen der Jünglinge schönster,
Turnus, berühmt durch Ahnen und Urahnherren. Des Königs
Gattin wünscht‘ ihn sich selbst mit besonderer Liebe zum Eidam.
Göttliche Warnung jedoch mit mancherlei Schrecken verwehrt es.

(aus: Vergil; Aeneis)

Vergils Aeneis ist das römische Nationalepos. Zwischen 29 und 19 v. Chr. entstanden, wird darin der Gründungsmythos des römischen Reiches erzählt. Nicht nur werden die Römer darin als direkte Nachfahren der Trojaner dargestellt; Gründung und Aufstieg Roms werden auch als göttlicher Willen geschildert. Aeneas wird als pflichtbewusster Held gezeichnet, der seinen Vater ehrt und den Göttern auch dann gehorcht, wenn er es eigentlich nicht möchte (alles Attribute, die Augustus, dem römischen Kaiser zu Lebzeiten Vergils, auf dessen Drängen hin der Dichter den Epos begann, gut gefallen haben dürften).

Die Aeneis erzählt von der Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja, die ihn nach vielen Irrungen und Wirrungen nach Latium führt, wo seine Nachfahren später zu den Gründern Roms werden sollen. Latinus, der König Latiums, empfängt den Fremden mit offenen Armen. Von ihm ist in dem Zitat oben die Rede. Von ihm und von seiner Tochter – Lavinia. Dieser Lavinia, die Aeneas als Zeichen des guten Willens als Ehefrau übergeben wird, widmet Vergil einige wenige Zeilen in seinem Epos; viel wichtiger sind darin andere Frauen wie Dido, die Königin Karthagos, der Aeneas auf seinem Weg nach Latium begegnet und die sich, als der Trojaner wieder von dannen zieht, umbringt und verbrennen lässt.

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