Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Vergil reloaded

Ursula Le Guin – Lavinia

Einzig erhielt ihm das Haus und die reichen Besitzungen eine Tochter, bereits volljährig, zur Brautschaft reif und zur Ehe.
Freier umwarben sie viel aus Latium und aus dem ganzen Ausonerland; es umwarb sie vor allen der Jünglinge schönster,
Turnus, berühmt durch Ahnen und Urahnherren. Des Königs
Gattin wünscht‘ ihn sich selbst mit besonderer Liebe zum Eidam.
Göttliche Warnung jedoch mit mancherlei Schrecken verwehrt es.

(aus: Vergil; Aeneis)

Vergils Aeneis ist das römische Nationalepos. Zwischen 29 und 19 v. Chr. entstanden, wird darin der Gründungsmythos des römischen Reiches erzählt. Nicht nur werden die Römer darin als direkte Nachfahren der Trojaner dargestellt; Gründung und Aufstieg Roms werden auch als göttlicher Willen geschildert. Aeneas wird als pflichtbewusster Held gezeichnet, der seinen Vater ehrt und den Göttern auch dann gehorcht, wenn er es eigentlich nicht möchte (alles Attribute, die Augustus, dem römischen Kaiser zu Lebzeiten Vergils, auf dessen Drängen hin der Dichter den Epos begann, gut gefallen haben dürften).

Die Aeneis erzählt von der Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja, die ihn nach vielen Irrungen und Wirrungen nach Latium führt, wo seine Nachfahren später zu den Gründern Roms werden sollen. Latinus, der König Latiums, empfängt den Fremden mit offenen Armen. Von ihm ist in dem Zitat oben die Rede. Von ihm und von seiner Tochter – Lavinia. Dieser Lavinia, die Aeneas als Zeichen des guten Willens als Ehefrau übergeben wird, widmet Vergil einige wenige Zeilen in seinem Epos; viel wichtiger sind darin andere Frauen wie Dido, die Königin Karthagos, der Aeneas auf seinem Weg nach Latium begegnet und die sich, als der Trojaner wieder von dannen zieht, umbringt und verbrennen lässt.

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Familientreffen

Brenda Janowitz – The Dinner Party (Nicht auf Deutsch verfügbar)

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Sylvia und Alan Gold haben drei Kinder: Sarah, Gideon und Becca. Eigentlich können sie mit allen dreien zufrieden sein, doch Sylvia ist es nicht. Sarah lebt seit Jahren „still not married“ mit ihrer Jugendliebe Joe zusammen – einem Katholiken aus einer italienischstämmigen Familie, der die Autowerkstatt des Vaters übernommen und keine Uniausbildung genossen hat. Das ist in Sylvias Augen nicht gut genug für Sarah, die eine leitende Position bei einer wichtigen Mode-Zeitschrift innehat.

Gideon hingegen ist der Goldjunge – wie sein Vater Arzt und derzeit mit Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka. Sylvia ist er zu weit weg und außerdem hat er ihre Hoffnung auf eine umwerfende Schwiegertochter noch nicht erfüllt.

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Interview mit Harper Lee

1964 sprach Harper Lee mit dem Radiomoderator Roy Newquist über das einige Jahre zuvor erschienene Buch To Kill a Mockingbird. Das knapp elfminütige Interview ist die einzige überlieferte Aufnahme in der Lee über ihr Buch spricht. Außerdem handelt es sich um eines von sehr wenigen – und eines ihrer letzten – Interviews.

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