Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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„Auch heute dichte ich Verse“

Wakayama Bokusui – In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter

Auch heute
dichte ich Verse
weiß nicht warum
getrieben von Sehnsüchten
Traurigkeiten

Bei Tanka handelt es sich um eine der ältesten japanischen Gedichtformen. „Tanka“ bedeutet so viel wie „das Kurze Lied“ oder „Kurzgedicht“. Ein solches Gedicht besteht aus 31 Moren (das sind kurze Sprechtakte / Lauteinheiten, die nicht mit deutschen Silben identisch sind), gegliedert in 5-7-5-7-7.

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Im 9. Jahrhundert dominierte diese Gedichtform die höfische Lyrik in Japan, während es im 18./19. Jahrhundert als überholt und steif galt. Eine Gruppe junger Dichter verhalf der Form im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert zu neuer Beliebtheit, die bis heute andauert. Wakayama Bokusui (1885 – 1928) gilt bis heute als einer der bedeutendsten Tanka-Dichter Japans.

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Ein Sommer lang

Die siebzehnjährige Mari wird von der Mutter unterjocht – tagein und tagaus schuftet sie im Hotel Iris, das der Familie nun in zweiter Generation gehört und das seine besten Tage eigentlich hinter sich hat. Es ist beileibe nicht die erste Adresse am Ort, doch insbesondere im Sommer füllen sich die Zimmer, denn in den heißen Monaten wird der kleine Ort am Meer von Touristen bevölkert. Mari arbeitet hart ohne dafür ein freundliches Wort oder wirkliche Anerkennung durch ihre Mutter zu erfahren. Der alkoholkranke Vater ist tot, die Schule hat sie abbrechen müssen um im Hotel auszuhelfen und für Freunde oder Freizeit hat sie kaum Luft.

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Der kleine Aljechin

Yoko Ogawa – Schwimmen mit Elefanten bdd40-schwimmen-mit-elefanten-roman-9783746630809_xxl

Der Junge, der später als „Kleiner Aljechin“ bekannt wird, ist ein stilles Kind. Mit seinem jüngeren Bruder lebt er bei den gemeinsamen Großeltern; der Großvater betreibt eine Schreinerwerkstatt. Höhepunkt für beide Jungen sind die Kaufhausbesuche mit der Großmutter. Während der jüngere Bruder gemeinsam mit ihr durch die Etagen bummelt und die unterschiedlichsten Spielzeuge bestaunt (zum Kaufen fehlt das Geld), wartet der Ältere auf dem Dach des Kaufhauses. Der Spielplatz, den es hier gibt, interessiert ihn dabei wesentlich weniger als ein altes Schild, das ihm mitteilt, dass zur Kaufhaus-Eröffnungsfeier vor Jahrzehnten ein junger Elefant auf  dieses Dach transportiert wurde, der sich bei den Kunden so großer Beliebtheit erfreute, dass die Kaufhausleitung ihn länger als zunächst angedacht auf dem Dach beließ. Als man die inzwischen gewachsene Elefantendame schließlich in einen Zoo transportieren wollte, musste man feststellen, dass sie zu groß geworden war und so verbrachte sie den Rest ihres Lebens auf dem Dach des Kaufhauses: „Sie, die eigentlich durch den Dschungel hätte stampfen sollen, schwebte fast ihr ganzes Leben lang zwischen Himmel und Erde.“ Der kleine Junge hat die Elefantendame nie gesehen. Er kennt nur dieses Schild und die alte, rostige Kette, mit der sie befestigt war. Und doch zieht es ihn bei jedem Besuch an diese Stelle und er grübelt über dieses Elefantenschicksal nach, bis seine Großmutter mit seinem Bruder wieder zu ihm stößt.

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