Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


Hinterlasse einen Kommentar

Ein Sommer lang

Die siebzehnjährige Mari wird von der Mutter unterjocht – tagein und taghotelirisaus schuftet sie im Hotel Iris, das der Familie nun in zweiter Generation gehört und das seine besten Tage eigentlich hinter sich hat. Es ist beileibe nicht die erste Adresse am Ort, doch insbesondere im Sommer füllen sich die Zimmer, denn in den heißen Monaten wird der kleine Ort am Meer von Touristen bevölkert. Mari arbeitet hart ohne dafür ein freundliches Wort oder wirkliche Anerkennung durch ihre Mutter zu erfahren. Der alkoholkranke Vater ist tot, die Schule hat sie abbrechen müssen um im Hotel auszuhelfen und für Freunde oder Freizeit hat sie kaum Luft.

Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Aljechin

Yoko Ogawa – Schwimmen mit Elefanten bdd40-schwimmen-mit-elefanten-roman-9783746630809_xxl

Der Junge, der später als „Kleiner Aljechin“ bekannt wird, ist ein stilles Kind. Mit seinem jüngeren Bruder lebt er bei den gemeinsamen Großeltern; der Großvater betreibt eine Schreinerwerkstatt. Höhepunkt für beide Jungen sind die Kaufhausbesuche mit der Großmutter. Während der jüngere Bruder gemeinsam mit ihr durch die Etagen bummelt und die unterschiedlichsten Spielzeuge bestaunt (zum Kaufen fehlt das Geld), wartet der Ältere auf dem Dach des Kaufhauses. Der Spielplatz, den es hier gibt, interessiert ihn dabei wesentlich weniger als ein altes Schild, das ihm mitteilt, dass zur Kaufhaus-Eröffnungsfeier vor Jahrzehnten ein junger Elefant auf  dieses Dach transportiert wurde, der sich bei den Kunden so großer Beliebtheit erfreute, dass die Kaufhausleitung ihn länger als zunächst angedacht auf dem Dach beließ. Als man die inzwischen gewachsene Elefantendame schließlich in einen Zoo transportieren wollte, musste man feststellen, dass sie zu groß geworden war und so verbrachte sie den Rest ihres Lebens auf dem Dach des Kaufhauses: „Sie, die eigentlich durch den Dschungel hätte stampfen sollen, schwebte fast ihr ganzes Leben lang zwischen Himmel und Erde.“ Der kleine Junge hat die Elefantendame nie gesehen. Er kennt nur dieses Schild und die alte, rostige Kette, mit der sie befestigt war. Und doch zieht es ihn bei jedem Besuch an diese Stelle und er grübelt über dieses Elefantenschicksal nach, bis seine Großmutter mit seinem Bruder wieder zu ihm stößt.

Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Nicht jede Frage braucht eine Antwort

3a07c-nakanoHiromi Kawakami – Herr Nakano und die Frauen

Herr Nakano betreibt einen Trödelladen. Auf die Tatsache, dass er mit Trödel anstatt teurer Antiquitäten handelt, scheint er ein bisschen stolz zu sein – zumindest zu Beginn der Geschichte. In der zeitlos anmutenden Stille des Ladens treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander. Darunter befindet sich auch Hitomi, die Erzählerin der Geschichte. Die junge Frau ist Mitte 20 und ganz alleine in der großen Stadt. Seit einiger Zeit arbeitet sie an der Kasse in Herr Nakanos Laden. Ein wenig ziel- und planlos verharrt sie an diesem Punkt in ihrem Leben, auch wenn sie nicht ganz glücklich damit ist.  Außer ihr hat sich der alte Herr noch eine Aushilfe für den Laden besorgt – den jungen Takeo, der zunächst hauptsächlich als Laufbursche fungiert, doch mit der Zeit für den Chef auch selbstständig Ankäufe tätigt. Takeo spricht beinahe nie und wenn doch, dann in wenigen Worten und nuschelnd. Eigentlich findet Hitomi ihn gar nicht so interessant. Eigentlich…

Weiterlesen