Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Mütter, Töchter und immer wieder böse Männer

Lenka Hornáková-Civade – Das weiße Feld

1938 zieht Marie mit ihrer Tochter Magdalena aus Wien in ein gottverlassenes mährisches Dorf. Der Geliebte Maries, ein anerkannter Frauenarzt in Wien, hat die Stadt aufgrund des zunehmenden Antisemitismus überstürzt mit seiner Frau  verlassen. Marie und ihrer Tochter bleibt ein dünner Umschlag mit genug Geld, um sie einige Wochen über Wasser zu halten. Marie verdingt sich fortan als Hebamme des Dorfes. Gequengel der  jungen Tochter, die zurück in die Stadt will, wischt sie energisch beiseite.

Einige Jahre später verdingt Magdalena sich als Dienstmädchen auf einem Gutshof in der Nähe. Den Avancen des Stallburschen Jan, der seine Abende auf Treffen der aufstrebenden Kommunisten verbringt, erwehrt sie sich. Doch als Josef, der Sohn des Gutsherren, aus Wien zu Besuch kommt, wähnt sie sich auf den ersten Blick in dessen blaue Augen verliebt. Nach einem Stelldichein im Stall reist Josef ab, Magdalena bleibt nach der kurzen Begegnung schwanger zurück. Wie ihre Mutter wird auch sie ein uneheliches Kind in die Welt bringen, auch sie wird eine Tochter gebären – Libuce.

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Eine herbe Enttäuschung

David Foenkinos – Das geheime Leben des Monsieur Pick

In Crozon, einem kleinen Dorf in der Bretagne, schafft der Bibliothekar Jean-Pierre foenkinos-coverGourvec einen besonderen Ort: Einen nicht unbeachtlichen Teil seiner Regale reserviert er für abgelehnte Manuskripte. Der Andrang ist groß, über die Jahre kommen beinahe tausend solcher Manuskripte zusammen. Der Erzähler begründet das so: „Das Ganze hatte etwas von einer Wallfahrt, sozusagen die literarische Variante des Jakobswegs. Indem man Hunderte von Kilometern zurücklegte, um so mit der Enttäuschung, nicht veröffentlichen zu können, innerlich abzuschließen, vollzog man einen wichtigen symbolischen Akt. Es war eine Art, die Wörter aus dem Gedächtnis zu streichen.“

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Von Geistern und Symphonien

Irène Némirovsky – Pariser Symphonie

Wer einmal im Schicksal der Familie Hardelot versunken ist, oder sich der süßen Einsamkeit hingegeben hat, der weiß, dass Irène Némirovsky tolle Romane schreibt: Man versinkt spielend leicht in ihnen und kann das Gelesene lange Zeit nicht abschütteln. Wer Pariser Symphonie gelesen hat, eine Geschichtensammlung der Autorin, die nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, der weiß, dass Irène Némirovsky tatsächlich auch fabelhafte Kurzgeschichten schaffen konnte. Dass es sich um eine experementierfreudige und vielseitige Schriftstellerin handelte, der wenige Seiten genügten, um einen bleibenderen Eindruck zu hinterlassen als es mancher Schriftstellermit einem großen Roman zu tun vermag.

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