Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Viele große Lügen

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Caz Frear – Sweet Little Lies (noch nicht auf Deutsch erhältlich)

Cat Kinsella ist eine junge Polizistin und sie hat es nicht leicht. Ihre Chefin, die Kinsella glühend verehrt, hat der jungen Kollegin Sitzungen mit der Polizeipsychologin verordnet. Der letzte Fall, in dessen Verlauf Kinsella ein junges Mädchen von der brutal ermordeten Mutter wegtragen musste, hat Spuren hinterlassen, vor allem auch weil Kinsella die Fälle zu nahe an sich heranlässt. Auch bei dem nun anstehenden Fall kann Kinsella keinerlei Abstand wahren, weil er in ihre eigene Kindheit hineinreicht.

Beinahe 20 Jahre zuvor ist die kleine Cat mit ihren Eltern und ihren Geschwistern bei der Großmutter in Irland zu Besuch. Der Vater, der sein Geld mit zwielichtigen Geschäften verdient und keinem kurzen Rock widerstehen kann, nimmt eines Tages eine Anhalterin mit, ein Mädchen aus dem Dorf: Maryanne Doyle. Einige Tage später ist Doyle verschwunden und als Cats Vater den Polizisten gegenüber verneint, sie gekannt zu haben, ist für seine neunjährige Tochter klar, dass der Vater das Mädchen umgebracht haben muss. Dieser Glaube und die anhaltende Untreue des Vaters gegenüber der Mutter haben die Beziehung von Cat zu ihrer gesamten Familie stark belastet. Auch 20 Jahre später willigt sie nur in Familientreffen ein um ihren kleinen Neffen zu sehen. Nun wird eine Frauenleiche in der Nähe des väterlichen Gastropubs gefunden: Alice Lapaine. Bereits jetzt malt sich Kinsella die schrecklisten Szenarien aus, die Lapaine und ihren Vater miteinander in Verbindung bringen. Und dann fördern die Ermittlungen zutage, dass Alice Lapaine tatsächlich eigentlich Maryanne Doyle hieß…

Sweet Little Lies ist der Debütroman von Caz Frear und trotz kleiner Schwächen und einem langgezogenen Schluss ist es ein starker Erstling. Die Lügen, die sich hier aufeinander häufen sind weder süß noch klein und so steht Kinsella schnell unter Druck und der Leser bald unter Spannung. Und das obwohl Kinsella als Erzählerin fungiert und es sich bei ihr um eine unsichere junge Frau handelt, die immer noch mit den Dämonen ihrer Kindheit und Jugend und dem kürzlich erlittenen Trauma des letzten Mordfalls zu kämpfen hat. Eine so belastete und verunsicherte Protagonistin kann dem Leser einiges abverlangen; wenn sie dann noch die Erzählstimme ist, kann das ein Buch vollkommen ruinieren. Doch hier ist das nicht der Fall und Kinsella muss dafür noch nicht einmal stellenweise aus ihrer Rolle ausbrechen. Die Entwicklung, die sie im Verlaufe des Romans durchläuft, ereignet sich schleichend und so kann der Fall immer komplizierter und verwickelter werden, während sich das private Drama stellenweise entspannt ohne dass die Protagonistin zum Schluss wie eine völlig andere Person wirkt.

Dass Frear diese Balance so erfolgreich hält ist eine große Stärke des Romans, der ohne viel Effekthascherei und Ekelmomente auskommt. Nur zum Schluss scheint ihr die Disziplin abhanden gekommen zu sein und Frear ist zu bemüht, auch noch jede letzte und kleinste Frage zu beantworten. Doch der Gesamteindruck bleibt gut und vielleicht macht Frear es beim zweiten Roman ja noch besser…


Was steht daneben im Regal? „Gone Girl“ von Gillian Flynn.

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