Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

„I am Music.“

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Mitch Albom – The Magic Strings of Frankie Presto (Die magischen Saiten des Frankie Presto)

Die Geschichte des Frankie Presto beginnt mit der Beerdigung des Protagonisten und der Ankuft der Trauergäste in der Kirche. Ebenfalls zu Beginn stellt sich die Erzählerin vor, die zur Beerdigung erschienen ist, um zurückzunehmen, was ihr gehört. Bei dieser Erzählerin handelt es sich um die Musik. Prämisse ist, dass die unterschiedlichen Talente Neugeborene umgeben und von ihnen ergriffen werden:

„I will share a secret: This is how talents are bestowed. Before newborns open their eyes, we circle them, appearing as brilliant colors, and when they clench their tiny hands for the first time, they are actually grabbing the colors they find most appealing. Those talents are with them for life.“

Frankie Presto also hat nach der Musik gegriffen und sie Zeit seines Lebens nicht mehr verloren. Und was für ein Leben da abwechselnd von der Erzählerin und Wegbegleitern erzählt wird: Geboren im spanischen Bürgerkrieg, vor dem Ertrinken gerettet von einem großen, schwarzen Hund, aufgezogen von einem fremden Mann, vor Frankos Schergen und mit einigen Umwegen in die Vereinigten Staaten entkommen, dort aus einem Waisenhaus geflohen, als Elvis-Double fungiert und in den 60ern zum Teenie-Star avanciert. Die Liebe gefunden, die Liebe verloren, einen denkwürdigen Auftritt in Woodstock hingelegt und ein jahrzehntelanges, selbstgewähltes Exil am anderen Ende der Welt.

Alboms Wahl der verschiedenen Erzählstimmen zieht den Leser mühelos durch das Buch. Die Musik, die immer wieder das Wort ergreift, fungiert als roter Faden, der die Erinnerung der unterschiedlichen Weggefährten zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt, vage Andeutungen auflöst und Spannung für die kommenden Kapitel aufbaut.

Die Geschichte des Frankie Presto ist voller Fantastereien – die unwirkliche Begegnung mit seiner elfengleich scheinenden großen Liebe, der Jahrzehnte überdauernde Hund, ein dem Musiker folgendes Phantom und ominöse Gitarrensaiten, die blau aufleuchten, wenn Presto das Leben eines anderen Menschen beeinflusst hat. Zugleich verankert Albom die Geschichte augenscheinlich in der Realität, indem einige der zu Wort kommenden Weggefährten des fiktiven Frankie Presto keinesfalls fiktiv sondern sehr real sind. Dazu zählen u. a. Darlene Love, Roger McGuinn, Paul Stanley und Ingrid Michaelson (an dieser Stelle sei euch Michaelsons Musik ans Herz gelegt).

Durch die Kombination aus Fiktion, Fantastereien und Realität verliert man sich als Leser schon sehr bald und gerne in diesem Buch und so schnell entkommt man der von Albom gewebten Zwischenwelt auch nicht.


Was steht daneben im Regal? „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ von Selja Ahava.

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