Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Allen Lane & Penguin Books

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WDB2018_Hauptlogo_orange_01Heute ist Welttag des Buches. Zur Feier des Tages werfe ich mal einen Blick auf Taschenbücher, bzw. auf Sir Allen Lane, der in den 1930er Jahren das Verlagswesen revolutioniert hat und Taschenbücher, die sich häufig in Form von Groschenromanen in der Schmuddelecke suhlten,  salonfähig gemacht hat.

2016 wurden in Deutschland  rund 28 Millionen Bücher verkauft. Dabei ist der Marktanteil von Taschenbüchern leicht gesunken; 2016 haben sie 5,5 Prozent weniger Umsatz generiert als 2015. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels begründet das unter anderem damit, dass die Preissensibilität der Kunden gesunken ist „sodass häufiger zum Hardcover gegriffen wird, statt auf das später erscheinende Taschenbuch zu warten“ (Dies und weitere Zahlen findet ihr auf der Webseite des Börsenvereins). Doch in den 30er Jahren (und auch in den folgenden Jahrzehnten) trugen Taschenbücher enorm zur Popularisierung von Literatur bei.

Im Alter von 17 Jahren verdingt sich Allen Lane 1919 im Verlag seines Onkels, Bodley Head. Dabei lernt er das Geschäft von der Pieke auf – zu Beginn seiner Karriere befüllt er die Regale im verlagseigenen Laden. Als sein Onkel 1925 stirbt, übernimmt er die Geschäftsführung. Die britische Gesellschaft verändert sich rasant in den 1920er Jahren und Lane wird schnell klar, dass die Modernisiserung der Bildungslandschaft und politische Umwälzungen wie das Einführen des Frauenwahlrechts einen potentiellen Massenmarkt für Bücher schaffen. Soll heißen: für günstige Bücher. Zu diesem Zeitpunkt zirkulieren bereits Groschenromane („dime novels“ oder „yellowbacks“ im englischen Sprachraum), doch Lane will für einen vergleichbaren Preis statt Trivialliteratur anspruchsvolle Unterhaltung bieten.

Cover typischer „Yellowbacks“ – Quelle

Laut Legende ist Lane eines Tages auf dem Weg zu seiner Bekannten Agatha Christie. In Exeter steigt er um und findet sich am Bahnhof ohne Buch. Die vom Bahnhofsladen angebotenen Yellowbacks reizen ihn nicht. In diesem Moment soll Lane die Idee gekommen sein, Klassiker der Literatur im günstigen Taschenbuchformat anzubieten, für einen Sixpence (also quasi die englische Version eines deutschen Groschens und eines amerikanischen dime), was dem Preis einer Packung Zigaretten entspricht.

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Um zu verhindern, dass diese Bücher in dieselbe Ecke wie gängige Taschenbücher gestellt werden, müssen sie sich auch optisch von den Yellowbacks abheben. Lane beauftragt den damals einundzwanzigjährigen Edward Young, einen Angestellten bei Bodley Head, damit, einen Markenauftritt zu entwerfen, der sowohl das Logo als auch das Coverdesign umfasst. So wird der heute weltberühmte Look der Penguin Books kreiert: Zwei Balken in knalligen Farben umschließen ein weißes Feld, auf dem sich Buchtitel und Autorenname finden (sie ähneln darin Coverdesigns des deutschen Verlages Albatross von 1932). Die Farbwahl signalisiert das jeweilige Genre: Orange steht für Belletristik, Grün für Krimis, Blau für Biographien, Schwarz für Klassiker. Es sei an der Zeit gewesen, so Young später, sich von der Idee zu verabschieden, dass Leute, die billige Bücher haben wollten, sich nur von Büchern mit reißerischen Covern locken lassen würden.

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Lanes Umfeld ist skeptisch, und davon profitiert er. Für seine erste Auflage will er auf die Werke erfolgreicher Autoren zurückgreifen: Agatha Christie, Ernest Hemingway, Compton Mackenzie.Weil andere Verleger davon überzeugt sind, dass das Projekt keinen Erfolg haben würde, überlassen sie dem verrückten Kollegen die Rechte zu den Werken für geringe Summen.

Die ersten zehn Penguin-Werke kommen im Juli 1935 in die Läden. Bis März 1936 werden eine Millionen verkauft. 1937 sind bereits hundert Werke als Penguin-Edition erschienen. Lane diversifiziert sein Angebot: Ab 1937 veröffentlicht er unter dem Namen Pelikan Sachhbücher (unter anderem, so sagt er, um Menschen wie ihm, der mit 17 von der Schule abgegangen ist, umfassenden Zugang zu Wissen zu ermöglichen). 1940 gründet er Puffin – zur Veröffentlichung von Kinderbüchern. 1952 wird er aufgrund seiner Verdienste für das Verlagswesen zum Ritter geschlagen. 1960 schlägt Lane erneut große Wellen indem er das als obszön verpönte Buch Lady Chatterly’s Lover von D.H. Lawrence verlegt. Das Buch verkauft sich innerhalb kurzer Zeit über 3,5 Millionen mal.

Am 7. Juli 1970 stirbt Allen Lane an Krebs. Den britischen Kultur- und Literaturbetrieb hat er bis zu diesem Zeitpunkt geprägt wie nur wenige andere.


Quellen & weitere Informationen:

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