Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

„Lend me your ears“… an diesen Iden des März

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Man muss ja eigentlich am 15. März kurz über Shakespeare reden. Genauer gesagt, Shakespeares Drama Julius Caesar, das die Verschwörung rund um Brutus zum Thema hat. Am 15. März 44 vor Christus, also laut römischem Kalender an den Iden des März, ersticht eine Gruppe römischer Senatoren Julius Caesar während einer Senatssitzung – angeführt von Brutus und Cassius.

The_death_of_caesar_Etching by J.C. Armytage after J.L. Gérome.

„The Death of Caesar“. Stich von J.C. Armytage nach J.L. Gérome. Wellcome Images.

Dass man inzwischen die „Iden des März“ als Metapher für bevorstehendes Unheil gebraucht, mag vor allem auch dem populären Stück des englischen Barden geschuldet sein. „Beware the Ides of March“ sagt der Wahrsager in dem Drama direkt zu Beginn. Caesar nimmt es gelassen: „He is a dreamer. Let us leave him.“ Er geht noch einen Schritt weiter und bemerkt am Tag seiner Ermordung süffisant zu dem Wahrsager: „The ides of March are come“ (ungesagt bleibt der Zusatz … „und ich lebe noch“). Doch dem Wahrsager schwant weiterhin Böses und so erwidert er nur „Ay, Caesar, but not gone“ (man könnte sagen, er weist den hohen Herren darauf hin, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben solle). Und er soll recht behalten, denn bevor der Tag verstreicht, ist Caesar nicht mehr am Leben.

Julius Caesar wird 1599 zum ersten Mal im Globe Theater aufgeführt. Das Stück ist zwar nur nach einem Mann benannt, doch tatsächlich finden sich zwei Protagonisten darin – Caesar und Brutus. Beiden gesteht Shakespeare in dem Stück wahre Größe zu, aber nicht ohne auch beide mit eklatanten Schwächen auszustatten. Bei Caesar ist das der blinde Ehrgeiz und sein Machthunger; Brutus hingegen wird sein Stolz zu Fall bringen.

Der Text ist ambivalent genug, dass entweder Caesar als Held und Brutus als Verräter, oder Caesar als Tyrann und Brutus als Bewahrer der römischen Republik inszeniert werden kann. Damit vereint Shakespeare in seinem Stück zwei gegensätzliche Geschichtsinterpretationen: In der mittelalterlichen Literatur (bspw. bei  Dante und Chaucer) wird Brutus als Verräter dargestellt. In der Renaissance, zu Lebzeiten Shakespeares, wendet sich das Blatt. Philip Sydney und Ben Johnson stellen Caesar in ihren Werken als Tyrann dar. Das bleibt bis ins 20. Jahrhundert so: 1937 inszeniert Orson Welles Julius Caesar und stellt ihn mit Benito Mussolini gleich.

Egal wie man es halten mag – Brutus geht so oder so nicht als Sieger hervor. Sowohl er als auch sein Mitverschwörer Cassius kommen ums Leben, weil sie zwei anderen Männern auf dem Weg zur Macht hinderlich sind: Octavian und Antonius. Die Rede, die Shakespeare Antonius bei Caesars Beerdigung halten lässt, ist zum Klassiker geworden, dient politischen Redenschreibern oft als Vorbild: „Friends, Romans, countrymen – lend me your ears“. Die Worte sind der Phantasie des William Shakespeare entsprungen, doch die historischen Tatsachen komplettieren seine Tragödie erst: Der Coup von Brutus, der doch eigentlich die Alleinherrschaft eines Mannes beenden soll um die republikanische Verfassung des römischen Reiches wieder zu stärken, geht nach hinten los – die Republik ist zu diesem Zeitpunk schon so geschwächt, dass sie einem anderen Mann zum Opfer fällt: Octavian.

Shakespeares Stück endet mit Brutus‘ Tod, vor dem Aufstieg Octacians. Doch die letzte Szene weist schon die Richtung. Der tote Brutus wird zum Schluss des Stückes von Octavian von der Bühne getragen, dem Shakespeare auch das letzte Wort gibt: „Within my tent his bones shall lie, // Most like a soldier, ordered honorbaly. // So call the field to rest, and let’s away // To part the glories of this happy day.“

Und für Octavian ist es tatsächlich ein Glückstag – ohne die beiden Haupt-Attentäter steht ihm der Weg frei für seine eigenen Pläne. Octavian selbst entstammt einer wenig bedeutenden Familie, doch nach Caesars Tod offenbart sich, dass dieser ihn, seinen Großneffen, als Erben bestimmt hat. Zehn Jahre lang wird Octavian sich mit Antonius bekriegen, doch schlussendlich geht er als Sieger hervor. Unter dem Namen Augustus wird er, der sich zu diesem Zeitpunkt als direkter Erbe des großen Julius Caesar inszeniert, der erste römische Kaiser. Die Zeiten der römischen Republik, die Brutus retten wollte, sind endgültig vorbei. Wie sagt Antonius in seiner Grabrede für Caesar? – „The evil that men do lives after them“.


Hochspannend wird Ciceros Rolle übrigens in einer Trilogie von Robert Harris aufgearbeitet. Die Lesemanie-Besprechung zu den Hörbuch-Adaptionen findet ihr hier.

Einen kompakten Überblick zu Octavians Machtkampf hat die Zeit vor einigen Jahren veröffentlicht – ihr findet ihn hier.

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