Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Brillanter Arzt, gefürchteter Duellant, Frau

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Patricia Duncker – James Miranda Barry (James Miranda Barry)

2018-03-11 08.30.29.jpgDr. James Barry war ein britischer Militärarzt, der zwischen 1813 und 1859 in der Armee des Empire diente. Mit regelmäßigen Wutausbrüchen und seiner schroffen Art brachte er viele seiner Zeitgenossen gegen sich auf und er stand im Ruf, ein sehr guter (und erfahrener) Duellant zu sein. Vor allem aber war Barry als Mediziner seiner Zeit weit voraus und er machte sich als medizinischer Reformer (u.a. als großer Verfechter von strengen Hygienevorschriften) einen Namen. So brachte er es bis zum Generalinspektor der britischen Krankenhäuser – einem der höchsten Militärposten. Als Barry 1865 starb, wurde er vollends zu Berühmtheit, weil nach seinem Tod festgestellt wurde, dass es sich bei dem streitbaren Mediziner um eine Frau handelte.

„After she was dead I was told she was a woman. I should say she was the most hardened creature I ever met throughout the army.“ Florence Nightingale

Patricia Duncker hat sich von dieser wahren Geschichte zu einem spannenden Roman inspirieren lassen, der in Einzelheiten ganz bewusst von historischen Fakten abweicht und einige wichtige Nebenrollen mit fiktiven Charakteren besetzt (die Autorin geht hierauf in einem kurzen Nachwort ein). Der Roman beleuchtet auch nicht minutiös alle Lebensabschnitte und Karrierestationen von James Barry, sondern reiht vielmehr entscheidende Augenblicke aneinander, zwischen denen teilweise Jahrzehnte liegen. Strenge Historiker mögen sich hierdurch gestört fühlen, aber Lesern hat Duncker damit einen Gefallen erwiesen, weil sie so ohne Längen eine/n vielschichtige/n Protagonisten/Protagonistin schafft.

jamesbarry1813-1816

Dr. James Barry zwischen 1813 und 1816 kurz vor seinem ersten Auslandseinsatz

 

Neue Biographien, die in den letzten Jahren zu Barry erschienen sind, gehen davon aus, dass James Barry mit 18 selbst die Entscheidung traf, zum Mann zu werden und sich in Edinburgh für ein Medizinstudium einzuschreiben. In Dunckers Roman ist Barrys Mutter die treibende Kraft hinter der Verkleidung. Selbst immer abhängig von Gunst und Launen reicher, einflussreicher Männer und ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, will sie ihrer Tochter ein besseres Leben ermöglichen („My child has protected herself, fought for herself, made her own life, earned her own name. And that was my doing. I set her free.“). Das schafft eine interessante Dynamik, vor allem wenn Barry später damit hadert, ob dieses (einsame) Leben, das die Entscheidung der Mutter ermöglicht hat, das Leben ist, das er/sie sich ausgesucht hätte.

Historische Fakten bewusst – und nicht aus Unwissenheit – so abzuändern, erfordert einen gewissen Mut und ein gutes Händchen. Duncker hat beides bewiesen und so ist ihr mit James Miranda Barry ein Buch gelungen, das man so lange begeistert verschlingt, bis man kurz vor Schluss erschrickt, weil einem klar wird, dass es gleich vorbei ist.

Kurzfazit: Auf historischen Fakten basierender Roman über eine Frau, die das britische Empire an der Nase herumführt. Ein Buch, das sich verschlingen lässt.

Weitere Informationen zu Dr. James Barry könnt ihr den folgenden Links entnehmen:


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