Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Mütter, Töchter und immer wieder böse Männer

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Lenka Hornáková-Civade – Das weiße Feld

1938 zieht Marie mit ihrer Tochter Magdalena aus Wien in ein gottverlassenes mährisches Dorf. Der Geliebte Maries, ein anerkannter Frauenarzt in Wien, hat die Stadt aufgrund des zunehmenden Antisemitismus überstürzt mit seiner Frau  verlassen. Marie und ihrer Tochter bleibt ein dünner Umschlag mit genug Geld, um sie einige Wochen über Wasser zu halten. Marie verdingt sich fortan als Hebamme des Dorfes. Gequengel der  jungen Tochter, die zurück in die Stadt will, wischt sie energisch beiseite.

Einige Jahre später verdingt Magdalena sich als Dienstmädchen auf einem Gutshof in der Nähe. Den Avancen des Stallburschen Jan, der seine Abende auf Treffen der aufstrebenden Kommunisten verbringt, erwehrt sie sich. Doch als Josef, der Sohn des Gutsherren, aus Wien zu Besuch kommt, wähnt sie sich auf den ersten Blick in dessen blaue Augen verliebt. Nach einem Stelldichein im Stall reist Josef ab, Magdalena bleibt nach der kurzen Begegnung schwanger zurück. Wie ihre Mutter wird auch sie ein uneheliches Kind in die Welt bringen, auch sie wird eine Tochter gebären – Libuce.

Auch Libuce wird – an dieser Stelle ahnt man es schon – sich auf den ersten Blick in einen fremden Mann verlieben, kurz mit ihm zusammenkommen und prompt ein uneheliches Kind (natürlich ein Mädchen) zur Welt bringen.

Lenka Hornáková-Civade folgt nicht nur bei den Lebensgeschichten der Protagonistinnen den immer gleichen Mustern. Auch alle Männer (und vereinzelt am Rande auftretende andere Frauen) scheinen auf einigen wenigen Schablonen zu basieren. Böse, bzw. „schlecht“ sind sie alle, diese Männer. Da sind die attraktiven jungen Männer, die den Protagonistinnen den Kopf verdrehen, Kinder mit einem Versuch zeugen können, dann jedoch schnell den Rückzug antreten. Die versehrten Männer, die verbittert und/oder fanatisch sind, die sich von den Frauen verachtet wähnen und ihnen darauf hin das ganze Buch über mit allen Mitteln das Leben erschweren. Und dann sind da die älteren Männer, auf den ersten Blick scheinbar gütig, auf den zweiten leider rückgratlos. Die vereinzelt auftretenden weiblichen Nebenfiguren zeichnen sich durch Hochmut und Zynismus aus. Keine von ihnen scheint den Protagonistinnen etwas Gutes zu wollen.

Klobige Endlossätze und ein irritierender Mix aus alterümlichen Redewendungen und flapsigen Sprüchen in den Dialogen tun ihr Übriges, um einem das Leseerlebnis zu verleiden. Da will man gar nicht mehr wissen, wie es Libuces Tochter Eva ergeht. Auch die historische Rahmenhandlung, die wenig kunstvoll nebenher läuft, interessiert irgendwann nicht mehr.

Kurzfazit: Klobige Endlossätze und schematische Charaktere. Leider ein Reinfall.

Ich danke dem Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

 

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