Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Die Last der Konvention

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Eduard von Keyserling – Fürstinnen

9783717524366_Cover

Das Buch kann hier bestellt werden.

Die Fürstin von Neustatt-Birkenstein ist Witwe und Mutter dreier Töchter. Mit ihnen hat sie sich auf einen ihrer Landsitze zurückgezogen. Während der Bruder ihres verstorbenen Mannes das Fürstentum regiert, kümmert sie sich in ländlicher Abgeschiedenheit um die drei jungen Prinzessinnen und hadert ein wenig mit der kümmerlichen Witwenapanage die es ihr schwer macht, wirklich standesgemäß zu leben.

Die drei Prinzessinnen – Roxane, Eleonore und Marie – wachsen derweil heran und ihrer Bestimmung entgegen: einer standesgemäßen Heirat. Doch vor allem um Marie, die oft kränkelt und sich in Tagträumereien verliert, macht sich die Mutter Sorgen.

Lichtblick im Leben der Fürstin ist der Graf von Streith, der früher Hofmarschall des verstorbenen Fürsten war und sich vor einiger Zeit in der Nähe des fürstlichen Landsitzes ein kleines Jagdschloss zugelegt hat. Den Großteil seiner Tage verbringt er damit, die Fürstin in Finanz- und Verwaltungsfragen zu beraten. Dabei bleibt vieles zwischen den beiden unausgesprochen – und das ändert sich im Laufe des Buches kaum. Man könnte meinen, das mache das Buch langweilig. Aber gerade diese Beziehung zwischen der Fürstin und dem Grafen zieht den Leser durch das Buch und sie verleiht der Geschichte eine herzzerreißende Zartheit.

Das mag erklären warum dieser Roman, der 1917 erschienen ist, trotz noch andauerndem Krieg innerhalb von anderthalb Jahren 18.000 mal gedruckt und verkauft wurde. Es mag sein, dass manche der Leser sich nach den guten alten Zeiten sehnten und das Buch in der Hoffnung erwarben, ein wenig im Glanz des deutschen Adels zu schwelgen. Diese Leser hat das Buch mit Sicherheit enttäuscht. Denn wie auch in Fräulein Rosa Herz spielt Keyersling meisterhaft mit den Erwartungen der Leser und verpackt ganz nebenbei und leise eine Prise Gesellschaftskritik in seiner Erzählung.

Kurzfazit: Herzzerreißend zart.

Ich danke dem Manesse Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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