Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Von Geistern und Symphonien

Hinterlasse einen Kommentar

Irène Némirovsky – Pariser Symphonie

9783717524120_Cover

Das Buch kann hier bestellt werden.

Wer einmal im Schicksal der Familie Hardelot versunken ist, oder sich der süßen Einsamkeit hingegeben hat, der weiß, dass Irène Némirovsky tolle Romane schreibt: Man versinkt spielend leicht in ihnen und kann das Gelesene lange Zeit nicht abschütteln. Wer Pariser Symphonie gelesen hat, eine Geschichtensammlung der Autorin, die nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, der weiß, dass Irène Némirovsky tatsächlich auch fabelhafte Kurzgeschichten schaffen konnte. Dass es sich um eine experementierfreudige und vielseitige Schriftstellerin handelte, der wenige Seiten genügten, um einen bleibenderen Eindruck zu hinterlassen als es mancher Schriftstellermit einem großen Roman zu tun vermag.

Die dem Band seinen Namen gebende Erzählung ist nicht als einziges Stück in der Sammlung als caméra stylo verfasst – die Erzählweise ist so reduziert, dass sie an ein Drehbuch erinnert; Aweisungen zu Musik und Einstellung inklusive („Paris, von einem Fenster unter den Dächern von Montmartre oder Montparnasse aus gesehen, am Abend. Die Lichter entlang der Seine, Dunstschleier, Herbstnebel. Es regnet.“). Und obwohl Némirovsky den Leser kaum an den Gefühlen des Protagonisten Mario (der vom Durchbruch als Komponist träumt und für den die alltäglichen Pariser Geräusche zu einer einzigen Symphonie verschmelzen) teilnehmen lässt, verschlingt man diese Geschichte.

Aber auch die anderen Erzählungen überzeugen und begleiten einen auf lange Zeit. Mein persönlicher Favorit ist die erste Geschichte des Bandes: „Die Geister“. Madame Georges Dufour, verheiratet, 44 und Mutter von sechs Jungen, sehnt sich oft nach ihrer verstorbenen Jugendliebe Marc und dem Haus ihrer Kindheit – dem Gut Monjeu. Nach dem Verkauf des Hauses hat sie einen Großteil der Möbel behalten und verwahrt sie in einem Raum der engen Wohnung. Und dort treffen ihre sechsjährigen Zwillinge auf einen besonderen Freund…

Einziger Wermutstropfen scheint mir die Kürze der Geschichten zu sein… sie alle sind rund und haben natürlich tatsächlich die perfekte Länge. Nur wünscht man sich als Leser, man könnte noch etwas länger bei ihnen verweilen.

Ich danke dem Manesse Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s