Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

„Fiktion mit biografischem Anspruch“

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Arne Ulbricht – Maupassant

maupassant-cover.jpgEin Roman über Guy de Maupassant birgt eine Menge Potential. In den 1880er Jahren feiert der Schriftsteller große Erfolge; er reist viel und schreibt noch viel mehr: rund 300 Kurzgeschichten, sechs Romane und ein Gedichtband entstehen in dieser Zeit. Jedoch leidet Maupassant, der sich früh mit Syphilis infiziert hat, zunehmend unter Zuständen geistiger Verwirrung. Nach einem missglückten Selbstmordversuch 1892 stirbt Guy de Maupassant in einer Nervenheilanstalt  am 6. Juli 1893.

Ulbrichts Roman, den er selbst im Vorwort als „Fiktion mit biografischem Anspruch“ bezeichnet, setzt nach dem gescheiterten Selbstmordversuch ein. Von da aus geht es mit einem Sprung in Maupassants Kindheit. Schrittweise – und leider quälend langsam – erzählt Ulbricht von Maupassants Kindheit und Jugend, bevor auch seine Zeit im Krieg und die Beamtenjahre Erwähnung finden.

Man merkt, dass hier jemand schreibt, der eine Menge über Maupassant weiß und der sich sehr für sein Leben und seinen Werdegang interessiert. Doch hier hätte viel gekürzt werden können (und müssen), damit der Roman sein volles Potential entfalten könnte. Diskussionen zwischen Guy und seiner Mutter über den langweiligen Hauslehrer, der zu viele Hausaufgaben aufgibt und „rummeckert“ wenn Guy nicht folgt und eine anschließende minutiöse Beschreibung des Privatunterrichts machen das Buch nicht interessanter und lassen keinen richtigen Spannungsbogen entstehen.

Und dann ist da noch die Sprache – stellenweise ist der Roman derart flapsig geschrieben, dass man sich fragt, ob er vielleicht primär dazu dienen soll, Schulkinder für Maupassant zu begeistern:

Guy hätte am liebsten „JAAAA!!!!!“ gebrüllt und wäre seinem Lateinlehrer, der still vor sich hin grinste, und dem Direktor um den Hals gefallen wie ein achtjähriges Mädchen, das zum Geburtstag eine besonders teure Puppe geschenkt bekommen hat. Er beließ es aber bei einem Nicken, faselte sich irgendeinen Wortbrei, in dem die Worte „Ehre“ und „gern“ auftauchten, zusammen, und schrieb noch am selben Nachmittag wie im Rausch ein Gedicht herunter.

Der Klappentext verspricht einen Roman der „spannend, unterhaltsam und glänzend recherchiert“ sei. Dass eine Menge Recherchearbeit und viel Maupassant-Wissen hier eingeflossen sind, glaube ich gern. Nur leider wurde beides weder spannend noch unterhaltsam verpackt.

Ich danke dem KLAK Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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