Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Vater, Mutter Kind

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Annette Mingels – Was alles war

9783813507553_CoverIm Gegensatz zu Tolstois Beobachtung in Anna Karenina, sind nicht nur unglückliche Familien alle unterschiedlich, während sich jede glückliche Familie ähnelt. Es sind ja auch nicht alle Familien entweder immer glücklich oder immer unglücklich. Familien wandeln sich: Sie wachsen, sie schrumpfen, sie trennen sich und finden neu zusammen. Auch ihre Umstände ändern sich: Geld ist mal da, mal nicht, das Timing stimmt mal, und dann wieder nicht, manche Lebensphasen gestalten sich schwierriger als andere. In Was alles war nimmt Annette Mingels verschiedene Familienstrukturen unter die Lupe und wirft im Verlauf des Romans immer wieder die Frage auf, was eine Familie eigentlich ist. Was macht sie aus? Was hält sie im Innersten zusammen?

Die Biologin Susa weiß schon seit ihrer Kindheit, dass sie adoptiert wurde. Ein Problem war das nie für sie – abgesehen von der reinen Genetik, sind ihre Eltern ganz einfach ihre Eltern und eine andere Familienkonstellation kann sie sich nicht vorstellen. Als sie erfährt, dass ihre leibliche Mutter sie kennenlernen will, sieht sie dem Treffen lange Zeit entspannt entgegen. Bei einem ersten Treffen findet sie keinerlei Gemeinsamkeiten mit ihrer „echten“ Mutter. Dass sie weitere Halbgeschwister hat und einen unbekannten leiblichen Vater beginnt erst später, sie wirklich zu beschäftigen. Nicht nur diese Unbekannten erweitern Susas Familie – zur gleichen Zeit trifft sie den Witwer Henryk und seine zwei Kinder und so setzt sich Susas Familie wieder neu zusammen, wächst und wandelt sich. Als Susas Adoptivvater dann schwer krank wird und sie das Gefühl hat, ihren leiblichen Vater ausfindig machen zu müssen, gerät Susa ins Trudeln.

Was alles war fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Es geht um Familien in allen erdenklichen Konstellationen, um Zerreißproben von Beziehungen, um die Macht des Alltags und die Wucht des Unvorhergesehenen. Fünf Teile fügen sich zu einem Ganzen zusammen: Anfangen, Lieben, Verlieren, Weitermachen und Finden. Trotz dieser Unterteilung ist die Erzählweise wunderschön fließend und man gleitet so mühelos in das Buch hinein wie in eine Badewanne –  und möchte es ebenso ungern hinter sich lassen, obwohl der Schaum irgendwann verschwindet, das Wasser abkühlt und die Haut ganz schrumpelig wird.

Kurzfazit: Fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

Ich danke dem Knaus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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