Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Leider kein „Mord im Orientexpress“

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Meinen Leseherbst 2016 widme ich Hercule Poirot, dem belgischen Privatdetektiv aus Agatha Christies Feder (s. hier).
Im vierten Teil dieser Serie stelle ich „The Mystery of the Blue Train“ vor.

Ruth Kettering ist mit dem verarmten Adeligen Derek Kettering verheiratet.the-mystery-of-the-blue-train Dessen zahlreiche Affären setzen ihr zu und sie trägt sich mit dem Gedanken, die Scheidung einzureichen. Ihr Vater, der reiche Amerikaner Rufus Van Aldin, unterstützt sie dabei: um zu verhindern, dass die Scheidung in einer Schlammschlacht ausartet, die dem Ruf seiner Tochter langfristig schaden könnte, versucht er, den ungeliebten Schwiegersohn durch eine Mischung aus Drohungen und Versprechen dazu zu bewegen, einer schnellen und diskreten Scheidung zuzustimmen. Derek ist wütend – er fühlt sich ungerecht behandelt; außerdem benötigt er das Geld seiner Frau und er fürchtet, dass der Druck seine Rechnungen zu begleichen wächst, falls eine bevorstehende Scheidung seinen Gläubigern zu Ohren kommt. Seine Geliebte, die Tänzerin Mirelle schlägt ihm – halb im Scherz – vor, seine Frau umzubringen bevor die Scheidung durch ist um so zu gewährleisten, dass er ihr Geld erbt und behalten kann.

Derek will den Kopf freibekommen und macht sich an Bord des hochluxuriösen Blue Train auf den Weg an die Riviera. An Bord des selben Zuges befindet sich seine Frau. Außerdem an Bord: Katherine Grey, eine Frau, die nach jahrelanger Kranken- und Altenpflege eine Erbschaft gemacht hat und sich nun ihren ersten richtigen Urlaub gönnt.Im Laufe der Reise unterhält sie sich ein wenig mit der unglücklichen Ruth und speist mit einem weiteren Reisenden zu Abend: einem kleinen Belgier mit eierförmigem Kopf, mit dem sie sich ausgesprochen gut unterhält.

Am nächsten Morgen wird Ruth Kettering tot in ihrem Abteil gefunden. Ihr Dienstmädchen ist ebenso verschwunden wie ihr Schmuck. Unter dem Schmuck befindet sich auch der bekannte Rubin „Heart of Fire“, den Ruths Vater erst kurz zuvor in einer Nacht- und Nebelaktion für seine Tochter erstanden hat (und bei dessen Kauf Rufus Van Aldin beinahe selbst ums Leben gekommen wäre).

Die Polizei geht recht schnell davon aus, dass Ruths Ehemann schuld trägt, doch als Poirot zu ermitteln beginnt, kommen unter anderem auch Mirelle oder der Sekretär von Ruths Vater in Frage. Außerdem ist da immer noch der Marquis, ein ominöser Juwelendieb, der phantomgleich durch die Geschichte geistert.

the_mystery_of_the_blue_train_first_edition_cover_1928

Titelbild der ersten Ausgabe von 1928.

Die Ausgangslage des Romans ist eigentlich vielversprechend – man hofft auf eine frühe Version von Murder on The Orient Express. Doch dieses Mal enttäuscht Agatha Christie – trotz wunderbarer Ausgangslage und einiger gut angelegter Charaktere vermag sie nicht, den Bogen konsequent bis zum Ende zu spannen. Die obligatorische Wendung kurz vor Schluss und der Täter, den Poirot aus dem Hut zieht, schien mir auch beim zweiten Durchlesen nicht schlüssig.

 

In ihrer Autobiographie schreibt Christie, dass sie diesen Roman „immer gehasst“ habe und das liegt vielleicht auch an dem Schreibprozess. Der Roman ist eine Weiterentwicklung der Kurzgeschichte The Plymouth Express aus dem Jahr 1923, doch als Christie 1927 dieses Buch schreibt, hat sie sich gerade von ihrem untreuen Ehemann getrennt und schreibt, weil sie muss um Geld zu verdienen. Schade.

Kurzfazit: Trotz Poirots Ausführungen nicht schlüssig und daher leider enttäuschend.


Du willst dir selbst ein Urteil bilden? Die englische Originalversion kannst du hier auf Amazon bestellen.

 

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