Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Wer zu viel weiß…

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Meinen Leseherbst 2016 widme ich Hercule Poirot, dem belgischen Privatdetektiv aus Agatha Christies Feder (s. hier).
Den Anfang in dieser Leseserie macht „The Murder of Roger Ackroyd“…

Agatha Christie – The Murder of Roger Ackroyd (Alibi)

Roger Ackroyd weiß zu viel. Nicht nur ist ihm absolut klar, dass die Liebe seines Lebens ihren ersten Mann ermordet hat. Er weiß auch, dass sie deswegen erpresst wird und dass sie sich deshalb das Leben genommen hat. Zuguterletzt weiß er sogar auch, wer sie erpresst hat. Doch bevor er mit diesem Wissen etwas anfangen kann, wird Roger Ackroyd in seinem Arbeitszimmer ermordet. Der Brief, in dem Ackroyd über die Identität des Erpressers aufgeklärt wird, verschwindet spurlos.

Die Polizei steht einer ganzen Gruppe Verdächtiger gegenüber – der Butler Parker, der in Gesprächen mit der Polizei immer so nervös ist, erweckt dabei ebenso Verdacht wie der spöttische Sekretär Raymond, der die ganze Geschichte sehr auf die leichte Schulter zu nehmen scheint. Die verwitwete, mittellose Schwägerin Ackroyds, die mit ihrer Tochter Flora im Anwesen des Toten lebt, hat den Schwager in den letzten Jahren stets um Finanzierung der kleinsten Ausgaben anbetteln müssen. Der zur Mordzeit anwesende Hausgast Major Blunt kennt den Toten seit Jahren – genug Zeit, ausreichend Groll anzusammeln um einen Mord zu begehen… Schlussendlich jedoch fällt Ralph Paton den Polizisten ins Auge. Ackroyds Stiefsohn hat hohe Schulden und das Erbe kommt ihm gelegen. Außerdem hat er kein glaubwürdiges Alibi und dann verschwindet er auch noch.

Flora indes glaubt an die Unschuld ihres Cousins und wendet sich hilfesuchend an Hercule Poirot, der sich in dem kleinen Dorf zur Ruhe gesetzt hat. Poirot nimmt die Ermittlungen auf. Dabei kooperiert er eng mit dem Erzähler der Geschichte – Dr. Sheppard, der mit seiner Schwester Caroline direkt neben dem cleveren Belgier wohnt. Der Dorfarzt war ein guter Bekannter des toten Ackroyd und Caroline ist eine begeisterte Klatschbase, die ihrem Bruder beim gemeinsamen Lunch sämtliche Neuig- und Nichtigkeiten des Dorflebens erläutert. Außerdem ist Sheppard Zeuge, war er doch am Abend des Mordes im Anwesen des Toten zu Gast. Hercule Poirot und Dr. Sheppard steht also scheinbar nichts im Wege, um den Mord erfolgreich aufzuklären.

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Sonder-Briefmarke der Royal Mail vom September 2016

Christies Buch wurde 1926 veröffentlicht; zwei Monate vor Erscheinen verstarb Christies Mutter, zwei Monate danach reichte ihr Mann die Scheidung ein. Und dennoch, so Laura Thompson in der Einleitung zu der Neuerscheinung, ist The Murder of Roger Ackroyd „arguably her finest piece of straightforward crime writing“. Und dem kann ich mich eigentlich nur anschließen: Der Plot ist ganz genau durchdacht – keine einzige Frage bleibt unbeantwortet, keine Wendung unbegründet. Schnell steht ein Verdächtiger fest, doch erschließen sich dem Leser in schneller Folge immer neue Verdächtige, auf die man die Polizei eigentlich stoßen möchte und die ein Beiseitelegen des Buches schwierig machen. Dr. Sheppard nimmt den Leser schnell für sich ein; insbesondere dank seiner teils spöttischen und teils bewundernden Reaktionen auf Poirots Einfälle und Marotten. Und wenn Christie dem Leser schlussendlich die allerletzte Wendung präsentiert und ihm vorhält, dass sie ihn die ganze Zeit an der Nase herumgeführt hat, kann man ihr gar nicht böse sein, so clever ist das Ganze.

Kurzfazit: Charmanter Erzähler und überraschende Wendungen…


Interesse geweckt? Hier kannst du den englischen Roman auf Amazon bestellen. Alternativ findet sich Hercue Poirot mit Sicherheit auch beim Buchhändler deines Vertrauens.

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