Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Jäger der Lüfte

Hinterlasse einen Kommentar

J.A. Baker – The Peregrine (Der Wanderfalke)the-peregrine_1024x1024

John Alec Baker (1926-1987) beschreibt in diesem Buch, wie er einen Herbst, Winter und Frühling lang auf den Spuren von Wanderfalken Essex durchstreift. Im Herbst haben sich vier solcher Falken in der Region niedergelassen und der Autor beobachtet sie fortan jeden Tag:

„Wherever he goes, this winter, I will follow him. I will share the fear, and the exaltation, and the boredom, of the hunting lifee. I will follow him till  my predatory human shape no longer darkens in terror the shaken kaleidoscope of colour that sttains the deep fovea of his brilliant eye. My pagan head shall sink into the winter land, and there be purified.“

Logbuchartig notiert er seine Beobachtungen, detailverliebt beschreibt er, wie die Falken sich waschen, wie sie fliegen, töten, essen und ruhen. Immer näher kommt Baker den Tieren – aber auch anderen Vögeln, die die Nahrung des Falken sind, schenkt er viel Beachtung. Ein besonders gutes Beispiel hierfür sind seine Gedanken rund um Eulen, denen er auf einem Streifzug spätabends begegnet:

„One must try not to be anthropomorphic, yet it cannot be denied that little owls are very funny to watch. In flight, they are just owls, but at rest they seem to be natural clowns. They do not know it, of course. And that makes them much funnier, for they always appear indignant, outraged, brimming over with choler. There is nothing funny about their sharp claws and rending beak. They are killers. That is what they are there for. But whenever I see one close, in a tree, I laugh aloud.“

Primär beschäftigt sich Baker allerdings mit den Falken, die zur Entstehungszeit des Buches (erstmals 1967 veröffentlicht) aufgrund des weitverbreiteten Einsatzes von Chemikalien in der Landwirtschaft vom Aussterben bedroht sind. Er zelebriert die Kraft der Falken, ihre Anpassungsfähigkeit, die unterschiedlichen Eigenschaften, die sie kennzeichnen:

„The peregrine ist adapted to the pursuit and killing of birds in flight. Its shape is streamlined […] The toes have bumpy pads on their undersides that help in the gripping of prey. The bird-killing hind toe is the longest of the four, and it can be used separately for striking prey to the ground […] The dark feathering around the eyes absorbs light and reduces glare. The contrasting facial pattern of brown and white may also have the effect of startling prey into sudden flight. To some extent it also camouflages the large, light-reflecting eyes.“

Die schier unglaubliche Präzision, die Baker in seine Beobachtungen einfließen lässt resultiert in einem Buch, das den Leser mit in das Marschland, die Wälder und Felder und an die Flussmündungen und die Meeresküste Ostangliens nimmt. Bakers Beobachtungen sind so umfassend, seine Worte so gut gewählt, dass man nach jedem Leseabschnitt das Gefühl hat, gerade von einem Spaziergang zurückzukehren. Seine Obsession mit den Wanderfalken weckt die Sinne für alles Gefiederte, das einem auf dem Weg von und zur Arbeit, beim Laufen oder auf dem Weg zum Supermarkt unterkommt. Die Begeisterung mit der er die Wildheit und Vitalität der Natur beschreibt, formt ein beeindruckendes Manifest, das den Leser die Natur ganz neu würdigen lässt und nebenbei tief philosophisch verstanden werden kann.

Kurzfazit: Umwerfende Naturbeschreibungen in einer Sprache, die an Eleganz kaum zu überbieten ist.

Lust bekommen? Die englische Originalversion kann hier bestellt werden; die deutsche Übersetzung hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s