Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Auf Weltreise durch legendäre Länder und Städte

Ein Kommentar

Umberto Eco – Die Geschichte der legendären Länder und Städte eco

Die Stadt im Meer (E. A. Poe, 1845)
Weh! Wunderliche, einsame Stadt.
Drin Tod seinen Thron errichtet hat,
Tief unter des Westens düsterer Glut,
Wo Sünde bei Güte, wo Schlecht bei Gut
In letzter ewiger Ruhe ruht.
An Schlössern, Altären und Türmen hat
(Zerfressnen Türmen, die nicht beben!)
Nichts Gleiches eine unsrige Stadt.
Von Winden vergessen, die wehen und heben,
Stehn unterm Himmel die Wasser ringsum,
Schwermütige Wasser, ergeben und stumm.
[…]

Wer in diesem Buch des kürzlich verstorbenen Umberto Eco blättert, der fühlt sich ein wenig, als würde er in einem Reiseprospekt blättern – auf bunt bebilderten, glänzenden Seiten erkundet Eco gemeinsam mit dem Leser die unterschiedlichsten Orte: Atlantis, das Schlaraffenland, das irdische Paradies oder auch Mittelerde und Alices Wunderland.

In jedem Kapitel verschafft der Autor dem Leser einen Überblick über Darstellungen und Erzählungen eines bestimmten Ortes oder einer Region (zum Beispiel folgt er den “Wanderungen des Grals” und spricht dabei eine Vielzahl an Orten an: fiktive Stätten wie Camelot und Avalon, und reale Orte an denen diverse Theorien den Gral vermuten: die Normandie, Apulien, Kanada, der Kaukasus…). Im Laufe eines Kapitels beschreibt Eco nicht nur, wie bestimmte Orte dargestellt wurden; er erkundet vielmehr auch, wie sich die Vorstellungen zu solchen Orten über die Jahrhunderte gewandelt haben.

So erläutert er beispielsweise, wie Atlantis von Platon einige Jahrhunderte v. Chr. beschrieben wurde, wie Plinius die Idee im ersten Jahrhundert nach Christus weiterentwickelt hat, und wie Francis Bacon im 17. Jahrhundert über ein neues Atlantis in Südamerika schreibt, oder Edgar Allen Poe 1845 ein Gedicht über “Die Stadt im Meer” verfasst. Nicht nur künstlerische Adaptionen in Malerei, Schriftstellerei und Filmkunst stellt Eco vor. Er nimmt auch kritisch politische Ideen auseinander, die sich diese Mythen zunutze machen (und verweist zum Beispiel darauf, dass zahlreiche Okkultisten im nationalsozialistischen Umfeld der Überzeugung anhingen, bei Atlantis handele es sich um die Urheimat der Arier).

Kaum eine Seite kommt ohne Bilder aus – Eco spickt seine Kapitel mit bunten Abbildungen in allen Größen, die in den unterschiedlichsten Epochen entstanden sind und so eindrucksvoll illustrieren, wie sich die Darstellung eines Ortes wie Atlantis oder des irdischen Paradieses über Jahrtausende hinweg gewandelt hat. Zum Abschluss jeden Kapitels präsentiert er Auszüge aus den Texten, auf die er auf den vorangegangenen Seiten verwiesen hat. Das erlaubt jedem Leser, sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, ob man Ecos Interpretation der Quellen zustimmen möchte, oder vielleicht hie und da einen anderen Eindruck hat. Ein aufregendes Buch, das einer hochinteressanten Rundreise gleichkommt.

Kurzfazit: Umberto Eco erweist sich als sachkundiger Reiseleiter durch legendäre Länder und Städte und bietet mit diesem Buch die Möglichkeit einer hochinteressanten Rundreise.


Lust, noch mehr legendäre Länder und Städte auf eigene Faust zu erkunden? Die folgenden Romane machen es möglich:

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