Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Last year’s words belong to last year’s language and next year’s words await another voice…

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„Last year’s words belong to last year’s language and next year’s words await another voice“ – mein Mantra für 2016, denn 2015 zählte nicht unbedingt zu meinen erfolgreichsten oder glücklichsten Jahren. Eine Sache hat jedoch selbst in diesem stark durchwachsenden Jahr beinahe nie enttäuscht: meine Lese-Erlebnisse. 
 
T.S. Eliot | 14 Quotes To Inspire Your New Year's Resolutions For 2014:

Das verdanke ich unter anderem dem fulminanten Auftakt mit Philipp Meyers The Son (Der erste Sohn), einem texanischen Familienepos mit viel Blut, Tränen und Öl. Als Jeanne Anne McCullough 2012 auf dem Boden in ihrer Ranch zu sich kommt und beginnt, ihr Leben Revue passieren zu lassen, gehört ihrer Familie seit mehr als hundert Jahren alles Land das diese Ranch umgibt und mehr. Hier haben sie mit der Viehzucht begonnen, haben Öl und Gas entdeckt und einen Reichtum aufgebaut von dem ihre mexikanischen Arbeiter – und auch viele Amerikaner – nur träumen können. Die Rezension in voller Länge gibt es hier.

Ähnlich brutal und mitreißend fand ich T.C. Boyles The Harder They Come (Hart auf hart), eine Geschichte wie nur T.C. Boyle sie zu schreiben vermag: verschrobene Figuren von denen jede davon überzeugt ist, richtig zu handeln, die sich in einem immer schneller werdenden Reigen umeinander drehen und denen man gebannt dabei zusieht, wie sie auf den Abgrund zurasen, an dessen Rand der ein oder andere zum Stehen kommt während andere hinabstürzen. Die Sprache ist famos und das Ende, so unerbittlich es auch sein mag, scheint einem wie immer der einzig mögliche Ausgang der beschriebenen Konflikte zu sein. Die komplette Rezension liegt hier für euch bereit.
Aber es ging nicht nur brutal zu in diesem Jahr. Auch einige wunderschöne Liebesgeschichten konnte ich entdecken: allen voran Patrick Modianos Sonntage im August. Als der Ich-Erzähler, ein ehemaliger Fotograf, und Frédéric Villecourt sich nach sieben Jahren wieder sehen, haben sich beide Männer verändert, doch Villecourts Verwandlung scheint besonders drastisch zu sein. Der ehemals selbstbewusste Sohn aus reichem Hause, den der Erzähler vor Jahren getroffen hat, hat an Ausstrahlung und offenbar auch viel Geld verloren. Freunde werden diese beiden Männer nie werden; sie sind es auch nie gewesen. Das einzige, das sie verbindet, ist Sylvia… Ein wunderschöner Roman über das Verlangen, Verlorenes zurückzuholen (Rezension hier).
 
Wie zerstörerisch Liebe sein kann, hat mir dieses Jahr Lena Andersson in Widerrechtliche Inbesitznahme vorgeführt. Die deutsche Übersetzung ist in einer hinreißend klaren Sprache geschrieben. Diese Sprache trägt den Leser bis zum Schluss durch den Roman, auch dann noch, wenn das Liebesleiden, das die Autorin ihrer Protagonistin schonungslos auferlegt, für den Leser kaum noch zu ertragen ist. Man will Hauptperson Ester Nilsson schütteln und anschreien, teilweise das Buch an die Wand werfen, wenn sie es trotz aufkeimender Zweifel wieder nicht schafft, sich von diesem selbstverliebten Mann abzuwenden.Weder Ester noch das Objekt ihrer Begierde sind sympathisch und doch kann (muss!) man an ihrer Geschichte bis zum Ende teilhaben. Die Rezension findet ihr hier.
 
Mein Lieblingsbuch 2015 lässt sich schnell benennen – selten hatte ich einen derart klaren Favoriten: Charlotte von David Foenkinos. Charlotte erzählt nicht nur die Geschichte der Künstlerin Charlotte Salomon, die inzwischen der Vergangenheit angehört. Geschickt bringt David Foenkinos auch die heutige Zeit mit unter, indem er von seiner ersten Begegnung mit Salomons Kunst berichtet und von seinen Recherchearbeiten zu dem Roman. Dadurch hebt er einen Aspekt über Salomons Kunst ganz besonders hervor: so kurz ihre Schaffensperiode auch war und so begrenzt ihr Oeuvre dadurch auch geblieben ist, es vermag bis heute zu beeindrucken. Als ich das Buch ausgelesen hatte, stellte sich mir die Frage, welches Buch nach einem derart bewegenden Roman mithalten konnte. Eigentlich keines. Und so sah ich mich gezwungen, erst einmal eine Woche zu lesepausieren. Unglaublich! Die Rezension in voller Länge steht hier.
Selbst der größte Büchernarr beißt mal in einen schlechten Apfel und für mich waren das in diesem Jahr Ketil Bjornstads Villa Europa und Gaito Gasdanows Ein Abend bei Claire. Beide Bücher habe ich, so muss ich gestehen, abgebrochen. Warum das so war könnt ihr hier nachlesen.
Ein Buch, das ich zwar zu Ende gebracht habe, das mich aber dennoch nicht überzeugt hat, war Nicht nur der Mörder lügt von Maria Lang, dessen sprachliche Schwächen durch den schlaffen Spannungsbogen nur leidlich ausgeglichen werden konnten. Mehr dazu hier.
Lesemanie hat sich auch in diesem Jahr weiterentwickelt. Zum einen rezensiere ich jetzt zusätzlich Hörbücher und -spiele (eine Übersicht findet ihr auf der Unterseite „Adaptionen“) und zum anderen vergrößert sich die Leserschaft in kleinen, aber stetigen, Schritten. Die Lesemanie-Facebook-Seite hat inzwischen über 580 „Likes“ und ich freue mich schon sehr darauf, im kommenden Jahr die 600 zu knacken.
Dass dieser Blog sich wachsender Beliebtheit erfreut, ist eine tolle Bestätigung für mich.
Vielen Dank dafür!
Und nun wünsche ich euch alles Gute für 2016 und auf dass ihr eure Stimme für „next year’s words“ findet…
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