Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Tragikomisch und kurzweilig – eine Familiengeschichte

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Anne Tyler – A Spool of Blue Thread (Der leuchtend blaue Faden)
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Abby und Red Whitshank leben alleine in dem großen Haus, das Reds Vater mit seinen eigenen Händen erbaut hat. Die vier Kinder sind erwachsen und gehen ihren eigenen Weg. Die beiden Töchter und einer der Söhne sind verheiratet und kommen sonntags zum Mittagessen. Die eine Tochter ist Anwältin, die andere arbeitet gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater in der familiengeführten Baufirma. Einzig der zweite Sohn, Denny, macht den Eltern Sorgen.
Wo genau Denny sich gerade aufhält, was er macht, ob er eine Frau, Freundin oder Kinder hat, wissen weder seine Eltern noch seine Geschwister. Sporadisch ruft er an, manchmal erscheint er zu Weihnachtsfesten oder Sommerferien am Strand, immer mal wieder aber auch nicht.
Als klar wird, dass Abby und Red in ihrem Alter nicht mehr alleine zurechtkommen, ist die Überraschung bei allen Beteiligten daher groß, als Denny plötzlich wie selbstverständlich vor der Tür steht und anbietet, sich um die gealterten, zunehmend vergesslichen, Eltern zu kümmern. Nun knubbelt sich die Familie in dem Haus – völlig zu unrecht, finden Abby und Red. Sie sind nämlich davon überzeugt, das tägliche Leben problemlos zu meistern. Zwar wird Red zunehmend schwerhörig und Abby ist auch schon bewusst geworden, dass ihre Gedanken teils zu sehr in der Vergangenheit weilen und aktuelle Geschehnisse somit in Vergessenheit geraten, aber Babysitter benötigen sie nicht. Ihre Einwände finden allerdings kein Gehör und nicht nur Denny ist zur Stelle, auch der andere Sohn, Stem, mit seiner Frau und drei kleinen Söhnen zieht zurück ins Elternhaus. 
 
Tyler nutzt diese Situation als Ausgangspunkt für ihre Familiengeschichte in Baltimore, die einen Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts umfasst, sich jedoch vordergründig der Familie Whitshank anstatt mit historischen Irrungen und Wirrungen widmet. Jeder der drei Generationen, die sich in diesem Roman tummeln, gesteht Tyler eigene Herausforderungen, Ziele und Träume zu, ohne dass die Geschichte jemals überladen wirkt. 

Leichtfüßig beschreibt Tyler die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Junior und Linnie, Reds Eltern, die sich im Baltimore der 1920er Jahre schrittweise eine Existenz aufbauen. Mit Humor und einer guten Prise Sarkasmus ermöglicht sie dem Leser kurze Einblicke in den Lebensweg von Reds Schwester um dann Abby als junge Frau zu präsentieren und den Nachmittag zu beschreiben, an dem sie sich in den 50er Jahren in Red verliebt. Einfühlsam und fast zärtlich breitet sie in Episoden das Familienleben vor dem Leser aus, erzählt von Red und Abbys vier Kindern und deren Kindern, deren aller Lebensmittelpunkt durch die Jahrzehnte hindurch das Haus ist, das Junior als aufstrebender Bauunternehmer in den 1930er Jahren für einen anderen Mann gebaut hat, und das er kurze Zeit später in einem großen Kraftakt, der ihn an den Rand des finanziellen Ruins treibt, für sich und seine Nachfahren erwirbt. 

Fazit: Eine kurzweilige, tragikomische Familiengeschichte.
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