Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Intensiv und kurzweilig

2 Kommentare

6583e-childrenact_vintageIan McEwan – The Children Act (Kindeswohl)

Fiona Maye ist eine angesehene Familienrichterin. Mit einer vielbewunderten Mischung aus Einfühlungsvermögen und kühler, rechtlicher Logik, entscheidet sie über Sorgerechtsfragen und andere Dinge, wenn die Eltern der betroffenen Kinder sich nicht mehr einigen können: 

„Among fellow judges, Fiona Maye was praised, even in her absence, for crisp prose, almost ironic, almost warm, and for the compact terms in which she laid out a dispute. The Lord Chief Justice himself was heard to observe of her in a murmured aside at lunch, ‚Godly distance, devilish understanding, and still beautiful.'“

In vielen ihrer Fälle spielen religiöse Faktoren eine Rolle und auch in dem Fall, der das Herzstück des Romans darstellt, ist das nicht anders. Und doch sticht er aus der Masse heraus und er wird Fiona selbst nach ihrem Beschluss noch beschäftigen und buchstäblich verfolgen. Ankläger ist ein Krankenhaus, das den siebzehnjährigen Sohn zweier Zeugen Jehovas gegen Leukämie behandeln will. Die religiöse Überzeugung der Eltern lässt nur Teile dieser Behandlung zu und Fiona muss entscheiden, ob sie dem Krankenhaus die Erlaubnis zu einer vollständigen Behandlung entgegen den Wünschen der Eltern und des minderjährigen Sohnes gestattet. Da der Junge noch minderjährig ist, kann seinen Wünschen nicht ohne Weiteres entsprochen werden. Fiona setzt sich mit gewohnter Umsicht und Sorgfalt mit dem Fall auseinander, aber komplett bei der Sache ist sie nicht. Während sie auf der Richterbank über Leben anderer verfügt, muss sie selbst sich der Entscheidung ihres Ehemannes beugen, der nach Jahrzehnten nun eine offene Ehe erbittet oder genauer gesagt, die Erlaubnis zu einer außerehelichen Affäre. Als Fiona dem nicht nachkommt, packt er einen Koffer und verschwindet für einige Tage. 

Der Kontrast zwischen den vielfältigen ethischen Fragen die teils nebenbei in diesem Buch aufgeworfen werden und den rasanten Entwicklungen in Fionas privaten und beruflichen Leben machen diesen Roman zu einem kurzweiligen Leseerlebnis. Wie auch schon Sweet Tooth (Honig) ist es McEwan außerdem gelungen, Charaktere zu schaffen die ganz besonders dank ihrer Schwächen und Probleme bereits auf den ersten Seiten das Interesse und Mitleid des Lesers zu wecken vermögen. Dank dessen, und auch aufgrund der Tatsache, dass McEwan keine Scheu vor kurzen Büchern hat, ist der Roman insgesamt ein intensives und kurzweiliges Leseerlebnis.

 

 
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2 Kommentare zu “Intensiv und kurzweilig

  1. Hi 😉
    Eine schöne Rezi. Das hört sich wirklich nach einem intensiven lesevergnügen an.

    Übrigens folge ich deinem Blog jetzt mal 😀 Bin gerade durch Zufall drüber gestolpert und er gefällt mir echt gut!

    Liebe Grüße
    Jessi

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  2. Guten Morgen 🙂
    Vielen Dank für die netten Worte; das freut mich wirklich sehr!
    Liebe Grüße
    Fenna

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