Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Raserei bis zum Abgrund

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T.C. Boyle – The Harder They Come (Hart auf hart) harder

Während einer Kreuzfahrt mit seiner Frau Carolee wird Sten Stensen, pensionierter Schuldirektor und Vietnamveteran, unversehens zum Helden. Als er und einige Mitreisende während eines Landgangs ausgeraubt werden sollen, erinnert er sich seiner Militärausbildung und tötet einen der jungen Männer, die ihn und seine Gruppe bedrohen. Seine Mitreisenden feiern ihn als Helden und als er mit Carolee nach Hause zurückkehrt (in einen beschaulichen Touristenort in Kalifornien), holt ihn die Geschichte auch dort ein – völlig Unbekannte klopfen ihm anerkennend auf die Schulter oder geben ihm und Carolee einen Drink aus. Sten indes hadert ein wenig mit dem Ruhm und auch mit der Tatsache, dass er auf einem so gewalttätigen Akt beruht: „and all at once he was thinking of the parents, the siblings, cousins, grandparents, a father like himself who was mourning his dead son even now.“

Während viele seiner Nachbarn den Mann bewundern, der mit bloßen Händen einen bewaffneten Räuber überwältigt und getötet hat, ist sein Sohn Adam, Mitte 20 und nur in seltenen Augenblicke in der Lage, die Realität auch als solche zu erkennen, ganz anderer Ansicht. Allerdings ist dem nicht so, weil ihm die Reaktion des Vaters zu gewalttätig erscheint – ganz im Gegenteil: in Adams Augen ist sein Vater weich und lasch. Sein Idol ist John Colter, amerikanischer Trapper, der im ausgehenden 18 und frühen 19. Jahrhundert Amerikas Westen erkundete. Ihm eifert Adam nach und während ihm die Wirklichkeit immer mehr entgleitet, verfestigt sich seine Überzeugung, selbst Colter zu sein, der schließlich auf Leben und Tod gegen Menschen kämpfen wird, in denen er Angehörige feindseliger Indianerstämme zu erkennen meint. 

Die dritte Hauptperson, Sara, Mitte 40 und geschieden, hat ebenfalls ein Idol, das sie zwar nicht zum Töten bringt, aber wiederholt in Auseinandersetzungen mit dem Gericht verstrickt. Überzeugt davon, die amerikanische Regierung habe sei nicht wirklich dank demokratischer Prozesse an der Macht, weigert sie sich standhaft, ihren Gesetzen Folge zu leisten. Als sie bei einer Verkehrskontrolle dem Polizisten ins Gesicht schleudert, er sei für sie nicht mehr als ein Mann in einem Halloween-Kostüm, wird sie in Gewahrsam genommen. Nachdem sie dank Kaution wieder auf freiem Fuß ist – kochend vor Wut – trifft sie auf Adam. 

 

The Harder They Come ist eine Geschichte wie nur T.C Boyle sie zu schreiben vermag – verschrobene Figuren von denen jede davon überzeugt ist, richtig zu handeln, die sich in einem immer schneller werdenden Reigen umeinander drehen und denen man gebannt dabei zusieht, wie sie auf den Abgrund zurasen, an dessen Rand der ein oder andere zum Stehen kommt während andere hinabstürzen. Dieser Roman ist noch einmal dunkler und gewalttätiger als die letzten beiden Boyle-Romane (San Miguel und When the Killing’s Done), aber die Sprache ist gleichbleibend famos und das Ende, so unerbittlich es auch sein mag, scheint einem wie immer der einzig möglich Ausgang der beschriebenen Konflikte zu sein.

 

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