Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Der mit dem Wolf lebt

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philowolfMark Rowlands – The Philosopher And The Wolf (Der Philosoph und der Wolf)

Es gibt Bücher, von denen hört man einmal, quasi im Vorbeigehen, und das Gehörte bleibt einem im Gedächtnis als hätte man dieses Buch tatsächlich selbst gelesen. In den folgenden Jahren findet man sich wieder und wieder in Gesprächen wieder, in denen es sich anbietet, auf dieses Buch zu verweisen oder sich Gedanken daran aufdrängen. Wieder und wieder denkt man dann, „ich sollte dieses Buch endlich besorgen und lesen“, doch sobald man nach Hause zurückkehrt, winken einem vier Dutzend andere Bücher zu, die seit Wochen und Monaten darauf warten, endlich in die Hand genommen und erlebt zu werden. So erging es mir mit diesem Buch, bis es mir plötzlich vor einigen Wochen geschenkt wurde. Plötzlich fragte ich mich nervös, ob dieses schmale Bändchen all meine Erwartungen erfüllen würde, die sich über die Jahre angesammelt hatten. Der Untertitel des Buches versprach „Lessons from the Wild on Love, Death and Happiness“ was auch dem entsprach, was ich mir erhoffte. Und? Ich wurde nicht enttäuscht.

The Philosopher And The Wolf ist eine Liebeserklärung des Autoren – Philosophieprofessor Mark Rowlands – an Brenin, einen Wolf, der elf Jahre lang mit Rowlands zusammen gelebt hat. Rowlands lässt diese elf Jahre Revue passieren und nutzt die Gelegenheit um auch eine Menge interessanter Gedanken zu Papier zu bringen. Das beginnt mit dem Dilemma ob es ethisch zu verantworten ist, einen Wolf als Haustier zu halten und ihn so seiner natürlichen Umgebung zu berauben („To suppose that Brenin could not be happy simply because he was not doing what natural wolves do is little more than a banal form of human arrogance, and belittles his intelligence and flexibility“ – Anzunehmen, dass Brenin nicht glücklich sein konnte weil er nicht das tun durfte, was natürliche Wölfe tun, ist ein Zeichen menschlicher Arroganz, das seine Intelligenz und Flexibilität herabsetzt). 
Diese und andere Fragen wirft Rowlands auf, beleuchtet sie aus verschiedenen philosophischen Blickwinkeln und macht sich seine eigenen Gedanken dazu – häufig beeinflusst von seinem Leben mit einem Wolf. Ganz besonders interessant fand ich seine Ausführungen zur Intelligenz unterschiedlicher Lebewesen (speziell bezogen auf die Unterschiede zwischen Wölfen und Affen, bzw, Menschen): „apes are more intelligent than wolves because, ultimately, they are better schemers and deceivers than wolves. It is from this that the difference between simian and lupine intelligence derives“ – Affen sind intelligenter als Wölfe, weil sie schlussendlich intriganter und die besseren Betrüger sind. Darauf basiert der Unterschied zwischen Affen- und Wolfsintelligenz…

Seine Diskussion rund um das permanente menschliche Streben nach Glück ist ein wahres Festessen aus Gedankennahrung, getoppt nur von seinen Theorien rund um das Thema Tod („Death harms us by depriving us of a future“ – Der Tod schadet uns, indem er uns einer Zukunft beraubt).

Es ist nicht nötig, Rowlands in all seinen Beobachtungen zuzustimmen, und man muss ihn als Person auch nicht sympatisch finden um dennoch allerlei aus diesem Leseerlebnis mitnehmen zu können.

Bitte beachten: für die letzten Kapitel Taschentücher bereithalten.

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