Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Ein Sommer…

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Philip Roth – Nemesis (Nemesis) a8de6-nemesis

Im Sommer 1944 arbeitet Bucky Cantor, Sportlehrer, als Aufsichtsperson auf einem Spielplatz. Alle anderen Männer seines Alters sind im Krieg, doch Bucky, der durch jahrelanges Wrestling zwar stark ist, hat eine so geringe Sehstärke, dass er ausgemustert worden ist. So befindet er sich in diesem Sommer mit den Frauen, den Kindern und den Alten in Newark und hadert mit dem Gefühl, dass seine Umgebung ihm im Stillen vorwirft, dass er nicht mit den anderem amerikanischen Männer die Werte der Demokratie verteidigt. Um sich selbst zu beweisen, dass er seiner Gesellschaft einen Dienst erweist, konzentriert er sich umso mehr auf seinen Sommerjob und kümmert sich außerdem kurz nach dem Tod seines Großvaters rührend um seine Großmutter.

Doch in diesem Sommer ist alles anders, und das liegt nicht nur am Weltkrieg. In diesem Sommer bricht in Newark eine Polio-Epidemie aus, die das Ausmaß der alljährlichen Ausbrüche bei weitem überschreitet. Unter den Familien bricht Panik aus, die sich aufgrund der Tatsache, dass keiner weiß wie die Krankheit übertragen wird, wie ein Lauffeuer verbreitet. Wieder fühlt Bucky sich hilflos – tatenlos muss er zusehen, wie die Kinder in seiner Obhut krank werden und wie nicht wenige von ihnen das Ende dieses Sommers nicht erleben. Verbissen will er seinen „Posten“ halten und sich um die wenigen Kinder kümmern, die noch gesund sind und von ihren Eltern vor die Tür gelassen werden. Buckys Freundin ist krank vor Angst um ihn. Sie selbst ist für die Sommermonate als Aufsichtsperson in einem Sommercamp in Pennsylvania untergebracht und sie fleht Bucky an, sich dem Camppersonal anzuschließen. Außerhalb der Stadt, da ist sie sich sicher, hat die Krankheit keine Chance und kann ihrem Bucky nichts anhaben. In einem Moment der Schwäche, so kommt es ihm nachher vor, lässt er sich überzeugen und macht sich auf den Weg in der Hoffnung, sich nicht wieder in einer vergleichbar macht- und hilflosen Situation zu finden.

Nemesis ist ein Buch das in jederlei Hinsicht überzeugt und das mich gepackt und begeistert hat. Da ist zum einen der historische Hintergrund, den Roth gewissenhaft aufbereitet hat und scheinbar mühelos mit seinen fiktiven Personen verknüpft. Genau so viel Mühe muss er sich mit der Schaffung von Buckys Persönlichkeit gemacht haben, der vielschichtig und glaubwürdig ist, und dessen tragische Situation einen großen Reiz der Geschichte ausmacht. Hier ist kein Absatz überflüssig und nicht ein Ereignis weit hergeholt. Es wird schwer sein, nach diesem Buch etwas zu lesen, das ähnlich überzeugt.

Lieblingssatz: „His conception of God was of an omnipotent being who was a union not of three persons in one God-head, as in Christianity, but of two – a sick fuck and an evil genius.“

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