Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Geburtstagskind – Kenzaburo Oe (*31. Januar 1935)

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oe

MDC Archives. „Kenzaburo Oe, Miami Bookfair International, 1996“

 

„Für seine Erschaffung einer Welt im Werk, in der sich Leben und Mythos zu einem erschütternden Bild des Menschen in der Gegenwart verdichten“ (aus der Begründung des Nobel-Komitees zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises 1994)

1935 wird Kenzaburo Oe auf der japanischen Insel Shikoku geboren. In einem kleinen Dorf, umgeben von dichten Wäldern und hohen Bergen, wächst Oe an der selben Stelle auf, an der seine Familie seit Generationen lebt. Noch nie hat ein Mitglied seiner Familie dieses Tal verlassen. Die Frauen seiner Familie sind große Geschichtenerzählerinnen; sie erzählen dem kleinen Kenzaburo sowohl von historischen Geschehnissen, lassen aber in ihre Erzählungen auch immer wieder Mythen und Legenden mit einfließen. Oe ist sechs als der zweite Weltkrieg ausbricht, bei dem sein Vater ums Leben kommt. Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Oes Mutter Verantwortung für die Bildung ihres Sohnes und macht ihn unter anderem mit Huckleberry Finn und Nils Holgersson bekannt. Diese beiden kindlichen Helden haben Oe nach eigener Aussage stark beeindruckt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Japan demokratisiert und Kenzaburo Oe lässt ich von einer Begeisterung für das demokratische System mitreißen. Achtzehnjährig verlässt er das Tal seiner Kindheit und zieht nach Tokio. An der Universität schreibt er sich für französische Literatur ein. Zu den Einflüssen der Erzählungen aus seiner Kindheit gesellen sich nun zeitgenössische Werke aus der französischen und amerikanischen Literatur. 1957 beginnt Oe, selbst zu schreiben. Seine ersten Kurzgeschichten handeln insbesondere vom Einfluss des Krieges auf eine unbeschwerte Kindheit; ein Thema, das auch in seinem ersten Roman Reißt die Knospen ab (1958) eine Rolle spielt. 

Oes Sohn Hikari wird mit einer Behinderung geboren und in dem teils autobiographischen Roman Eine persönliche Erfahrung (1964) beschreibt er sehr offen seinen ersten Schock nach der Diagnose und seine Entscheidung, diese Herausforderung anzunehmen. 1964 veröffentlicht er Hiroshima Notizen, einen Essay der sich mit den Erfahrungen und Gedanken der Atombombenopfer befasst.

In den 1990er Jahren veröffentlicht Oe seine Trilogie „Grüner Baum in Flammen“, in der er die Kunst, japanische Mythen und Legenden mit der Moderne zu verbinden, noch weiter perfektioniert. 1994 wird er für sein Werk mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.[1]

Ein interessantes Interview aus dem Jahr 2010, in dem Oe besonders über sein Leben mit seinem Sohn Hikari spricht, gibt es auf Zeit Online.


Quellen: „Kenzaburo Oe – Biographical“<http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1994/oe-bio.html>, „Der Nobelpreis für Literatur 2014 <http://www.nobelpreis.org/Literatur/oe.htm>.
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