Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Öl und Gas, Tränen und Blut

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Philipp Meyer – The Son (Der erste Sohn) e77fe-the2bson

Als Jeanne Anne McCullough 2012 auf dem Boden in ihrer Ranch zu sich kommt und beginnt, ihr Leben Revue passieren zu lassen, gehört ihrer Familie seit mehr als hundert Jahren alles Land das diese Ranch umgibt und mehr. Hier haben sie mit der Viehzucht begonnen, haben Öl und Gas entdeckt und einen Reichtum aufgebaut von dem ihre mexikanischen Arbeiter – und auch viele Amerikaner – nur träumen können.

Der Erfolg der McCulloughs beginnt mit Jeannes Urgroßvater Eli, dem Colonel. 1849 sind seine Eltern mit ihm und zwei weiteren Kindern nach Texas gezogen, wo sie sich auf grünem, fruchtbarem Land niederlassen. Sie gehören mit zu den ersten Siedlern, die die Western Frontier so weit ausdehnen. Texas ist berüchtigt dafür, immer noch Indianerland zu sein und eines Nachts erscheinen Komantsche-Indianer, stehlen Pferde und entführen den zwölfjährigen Eli und seinen Bruder.

Ein dritter Erzählstrang setzt 1915 ein. Es sind Tagebuchaufzeichnungen von Peter McCullough, erstgeborener Sohn des Colonels, und aufgrund seines ruhigen Wesens eine Enttäuschung für einen Vater. Texas ist nicht mehr grün und fruchtbar und die überlebenden Indianer verlassen ihre Reservate kaum. Peters Vater ist eine Persönlichkeit. Der Sheriff, der Gouverneur und die Nachbarn respektieren den alten und knorrigen Mann. Seine Jugendzeit bei den Komantschen, seine Soldatenzeit im Bürgerkrieg und sein eiserner Willen sind bekannt. Der Mann wird geschätzt und gefürchtet. Während Peter sich interessiert mit der Rinderzucht der Familie befasst, denkt sein Vater schon wieder einen Schritt weiter und lässt auf seinem Grundstück nach Öl bohren. Zugleich ist Texas immer noch nicht befriedet obwohl das „Indianerproblem“ gelöst zu sein scheint. Mit Mexiko schwelt ein Grenzdisput und der Rassismus der weißen Bevölkerung gegenüber den hispanischen Ranchbesitzern, die zum Teil lange vor ihnen dieses Land besiedelt und bearbeitet haben, bricht stets aufs Neue hervor. Die Art und Weise, wie in solchen Situationen zu verfahren ist, wird der größte Streitpunkt zwischen Peter und seinem Vater Eli. Von Eli und Jeanne erfährt der Leser, dass Peter der Familie schlussendlich den Rücken kehrt – bereits auf der ersten Seite des Romans spricht Eli von ihm als „Seed of my destruction“ und Jeanne, die ihren Urgroßvater als kleines Mädchen noch kennenlernt, kennt ihren Großvater Peter nur aus Erzählungen: „She’d once had a grandfather, Peter McCullough, but he had disappeared and no one had anything good to say about him and she knew she would not have liked him either“.

Zum einen setzt sich hier aus drei Erzählsträngen die Geschichte von Peter McCullough zusammen. Doch nicht nur das. Philipp Meyer erzählt auch die Geschichte einer Familie und viel über die Geschichte des Staates Texas. Während die Zeit verstreicht, wird die Gegend immer trockener und dürrer – die vielen Siedler, die hier ihren Reichtum suchen, zerstören das Land was dazu führt, dass immer mehr nötig ist, um ihm Geld abzupressen. Die Geschichte der McCulloughs ist ein gutes Beispiel hierfür. Sie werden von Bauern zu Viehzüchtern und schließlich zu Öl- und Gasmagnaten. Das Feindbild wandelt sich geringfügig: von Indianern zu hispanischen Grundbesitzern zu mexikanischen Einwanderern. Einige Familienmitglieder halten es nicht aus in einer solchen Umgebung und sie ziehen an die amerikanische Ostküste, besuchen die dortigen Universitäten und machen Karriere in den Städten. Die drei Erzähler dieser Geschichte sind anders. Selbst Peter, trotz seiner Schwierigkeiten mit dem Vater und seiner Abscheu vor Gewalt, fühlt sich dem Land verbunden und verpflichtet, zu bleiben bis es nicht mehr geht.

Jede dieser drei Personen wird dem Leser mit der Zeit wichtig, doch scheint es ein wenig so, als wäre Meyer die Person des Colonels am wichtigsten gewesen. Hier geschieht am meisten, hier wird es am lebhaftesten geschildert. Das erschwert es dem Leser zu Beginn des Buches, sich gebührend für Peter und Jeannes Geschichte zu interessieren. Zu abrupt sind die Wechsel von Eli zu Peter zu Jeanne zum Teil. Mit der Zeit jedoch legt sich dieses Gefühl und jeder der drei Erzählstränge entwickelt einen eigenen Spannungsbogen und eine ganz eigene Dynamik.

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