Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Eine Qual…

Hinterlasse einen Kommentar

80464-statisten

Arnon Grünberg – Statisten

Der neunzehnjährige Ewald Krieg weiß nicht recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Das heißt – er hat verschiedene Ideen, und eine ganze Weile betreibt er eine davon mit für ihn ungewöhnlicher Hartnäckigkeit: er will Schauspieler werden. Blöd nur, dass die Schauspielschule Amsterdam ihn ablehnt. Nach seinem gescheiterten Vorsprechen dort trifft Ewald auf Michael Eckstein, der sich Broccoli nennen lässt, und der die Aufnahmeprüfung ebenfalls nicht geschafft hat. Broccoli wohnt alleine in einem großen Haus – die Eltern sind in der Schweiz. Einmal im Monat schaut Mevrouw Meerschwam vorbei, die Putzfrau, die Ewald mit traurigem Blick auf das sie umgebende Chaos immer von den guten alten Zeiten erzählt, als die Herrschaften noch nicht in der Schweiz waren und hier rauschende Feste gefeiert wurden.

Schlussendlich gesellt sich zu den beiden jungen Männern noch Elvira Lopez, die tatsächlich schon eine „richtige“ Schauspielerin ist. In ihrer Heimat Argentinien hat sie bereits in einem Film mitgespielt. Broccoli ist nun hin und hergerissen ob er sich mehr auf seine eigene Schauspielkarriere (als zweiter Marlon Brando) konzentrieren soll, oder ob er nicht doch lieber aus dem Hintergrund eine Produktion mit Elvira als Lady Macbeth auf die Beine stellen sollte. 


Während die Hauptfiguren dieses Buches damit kämpfen, ihrem Leben eine Richtung zu geben, musste ich leider stark kämpfen, um bis zur letzten Seite dieses Buches vorzudringen. Grünberg hat sich scheinbar mit allen Sinnen darauf konzentriert, Charaktere zu schaffen die sich in ihrer Skurrilität, Einsamkeit und „Kaputtheit“ konsequent übertreffen. Leider hat er dabei versäumt, einen angemessenen Handlungsrahmen und Spannungsbogen zu erstellen. 


Meiner Meinung nach ist nicht klar zu erkennen, wen Grünberg mit diesem Roman mehr quälen möchte – die von ihm erschaffenen Charaktere oder den Leser. Wiederholt scheint es so, als käme nun der Moment der Erlösung, als müsste der Knoten platzen sodass sich Personen, Orte und Geschehnisse zu einer flüssigen Geschichte fügen, und das war der einzige Grund, warum ich dieses Buch bis zum Ende durchgehalten habe. Doch dann stolpert das Buch weiter von einer unangenehmen Situation in die nächste und als Leser schwankt man zwischen dem Wunsch, sich peinlich berührt abzuwenden und dem Bedürfnis, sich vor Schreck zu schütteln vor der schieren Unerträglichkeit der Situation. Manche mögen sagen, dass das Ende der Versuch einer Versöhnung zwischen Buch und Leser sein könnte, doch ich empfand es nur noch Befreiungsschlag und hatte das Gefühl, zum ersten Mal seit Tagen wieder tief aufatmen zu können, als ich das Buch endlich zur Seite legen konnte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s