Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Ein Haus voller Frauen

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Kristín Marja Baldursdóttir – Möwengelächter

Nachdem ich von der Eismalerin und den Farben der Insel so begeistert war, konnte ich nicht widerstehen, als mir vor einigen Wochen dieses Buch von derselben Schriftstellerin in die Hände fiel, und ich wurde nicht enttäuscht.

Island, kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs: Die elfjährige Agga wohnt bei ihren Großeltern nachdem beide Eltern von Tuberkulose dahingerafft worden sind. Der Großvater ist meistens auf See, doch das Haus ist trotzdem voll: Aggas Tanten Dódó und Ninna wohnen ebenfalls dort, und in der Kellerwohnung lebt Kidda, die Schwester von Aggas Großvater, die mit ihrem Bruder seit Jahren kein Wort mehr gewechselt hat, doch mit ihrer Schwägerin eng befreundet ist. Jede der Frauen hat ihren Platz und ihre Aufgabe, und wenn es nach der frechen Agga ginge, könnte auch alles einfach weiter seinen Gang gehen. Allerdings kehrt bereits zu Beginn des Buches Freyja zurück, die Tochter von Großmutters bester, inzwischen verstorbener Freundin.

Die junge Frau mit Wespentaille, hüftlangen Haaren und Augen so blau und kalt wie Gletscher, hat vor einigen Jahren einen amerikanischen Offizier geheiratet  und ist mit ihm in die USA gegangen. Der Mann ist nun tot, Freyja hat seine Spielschulden bezahlt, ihre Sachen gepackt und ist zurück in die Heimat gefahren. Eigentlich ist kein Platz mehr im Haus und Großvater wird nicht begeistert davon sein, noch eine Frau mehr vorzufinden wenn er seinen nächsten Landgang macht, denkt Agga, doch Großmutter sieht das anders, und kurzerhand wird ein Plätzchen für die Heimgekehrte eingerichtet.

Agga ist die Frau unheimlich. Sie isst kaum, mag kein Fleisch (unvorstellbar!), verbringt ganze Abende auf stundenlangen Spaziergängen die Küste entlang, und widmet sich oft einen ganzen Tag der Wäsche ihres Haares. Agga ist überzeugt, dass es sich um eine Hexe handelt, doch die Männer des Städtchens (von denen im Laufe der Geschichte einige unter merkwürdigen Umständen ums Leben kommen) sehen das ganz anders, und sehr bald bringt Freyjas Anwesenheit die geordneten Bahnen in denen das Leben bis dahin verlaufen ist, gehörig durcheinander.

Kristín Baldursdóttir erzählt von den Frauen in diesem Haus und dem Leben in dem Ort mit einer wunderschönen Leichtigkeit und einer gesunden Prise Galgenhumor. Der Fokus liegt dabei auf der frechen Agga, die uns auch als einzige an ihren Gedanken teilhaben lässt, und deren unstillbarer Neugierde es zu verdanken ist, dass der Leser mehr über die geheimnisvolle Freya erfährt und auch sonst am Leben des Ortes teilhaben kann. Das Ergebnis ist ein lockeres Lesevergnügen, das man mit Meeresrauschen und Möwengelächter in den Ohren beendet.
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