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Geburtstagskind – Elias Canetti

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Bildquelle: Dutch National Archives

Zu den Worten, die während einiger Zeit in hilfloser Ermattung darniederlagen, die man mied und verheimlichte, durch deren Gebrauch man sich zum Gespött machte, die man so lange entleerte, bis sie verschrumpft und häßlich zur Warnung wurden, gehört „Dichter“. Wer sich auf die Tätigkeit, die wie immer weiterbestand, dennoch einließ, nannte sich „Jemand, der schreibt“ (Elias Canetti: „Der Beruf des Dichters“).

Elias Canetti wird am 25. Juli 1905 in Bulgarien geboren. Kurz nachdem die Familie nach England übersiedelt, stirbt der Vater, ein wohlhabender Kaufmann, und lässt den Siebenjährigen als Halbwaise zurück. In den folgenden Jahren zieht die Familie viel umher – nach Österreich, in die Schweiz, und schließlich nach Frankfurt am Main, wo Elias Canetti 1924 Abitur macht ehe er zum Chemiestudium nach Wien zurückkehrt. Neben seinen naturwissenschaftlichen Studien nimmt er auch an Vorlesungen des Dichters Karl Kraus teil, der ihn später in seinem schriftstellerischen Schaffen sehr beeinflusst.

Nach seiner Promotion 1929 macht Canetti sich schließlich an sein erstes Werk, das 1935 unter dem Titel Die Blendung erscheint. Ein literarischer Durchbruch bleibt jedoch aus.  1938/39 wandert Canetti mit seiner Frau Veza (geb. Taubner-Calderon) nach London aus. Als Die Blendung in den 1960er Jahren erneut veröffentlicht wird, bedeutet das endlich Canettis Durchbruch. Hauptfigur des Romans ist der Sinologe Peter Kein, der sich ganz dem Aufbau und der Pflege seiner eigenen Bibliothek verschrieben hat und sich von den ihn umgebenden Menschen abschottet.

Neben Romanen verfasst Canetti auch Essays – viele von ihnen beschäftigen sich mit der Rolle des Schriftstellers oder Besonderheiten der Sprache  (so zum Beispiel seine Essaysammlung Das Gewissen der Worte, in der er betont, Schriftsteller seien verantwortlich für die Bewahrung, Wiederbelebung und die Erfindung lebenspendender Mythen). Auch Theaterstücke gehören zu seinem Werk (Die Hochzeit, Die Komödie der Eitelkeit, Die Befristeten).

Nachdem seine Frau Veza 1963 verstirbt, heiratet Canetti 1971 ein zweites Mal – die Restauratorin Hera Buschor, die 1972 die gemeinsame Tochter zur Welt bringt. In den 1970er Jahren wird Canetti, der eigentlich sehr zurückgezogen abwechselnd in London und Zürich lebt, vielfach für sein Werk ausgezeichnet: u.a. wird er Mitglied der Berliner Akademie der Künste und korrespondierendes Mitglied der bayerischen Akademie der Schönen Künste. 1972 erhält der den Georg-Büchner-Preis, 1976 die Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilian-Universität München. Zur Verleihung hielt Canetti die Rede „Der Beruf des Dichters“, aus der ich eingangs zitiert habe, und die in voller Länge hier eingesehen werden kann. 1981 dann erhält er den Literaturnobelpreis, „für sein schriftstellerisches Werk, geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft“.

1983 erhält Canetti, der Zeit seines Lebens seine Bücher in deutscher Sprache verfasst hat, das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1988 erliegt seine Frau einem Krebsleiden; am 14. August 1994 verstirbt Elias Canetti im Alter von 89 Jahren in Zürich.[1]

 Lesetipp: Die Stimmen von Marrakesch. Die Rezension findet ihr hier.


[1] Angaben zu Leben und Werk des Autors wurden folgenden Quellen entnommen: <http://www.elias-canetti.de/home.html>, <http://www.kirjasto.sci.fi/ecanetti.htm>,
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