Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Albernheiten in historischem Rahmen

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df302-flash2George Macdonald Fraser – Royal Flash (Die Flashman-Manuskripte 02: Flashman in Deutschland)

Noch nicht mit Harry Flashman bekannt? Die Rezension zum ersten Band der Reihe gibt es hier.

Auch im zweiten Band der fiktiven Flashman-Memoiren stellt der Held wieder unter Beweis, dass er mit mehr Glück als Verstand durchs Leben gekommen ist. Die Geschichte beginnt kurz nach Ende des ersten Buches – Harry Flashman, der sich selbst den Kosenamen Flashy verpasst hat, sonnt sich noch im Ruhm seiner Afghanistan-Mission und haut das Geld seiner bildhübschen Frau auf den Kopf, die ihrem Mann in außerehelichen Aktivitäten in nichts nachsteht. Zugleich bricht in diesen 1840er Jahren das viktorianische Zeitalter an, und, sehr zu Flashys Leidwesen, tut die junge Königin ihr bestes um Glücksspiel und Prostitution in ihrem Reich zu unterbinden:

„We were entering into what is now called the Victorian Age, when respectability was the thing; breeches were out and trousers came in; bosoms were being covered and eyes modestly lowered; politics was becoming sober, trade and industry were becoming fashionable, the odour of sanctity was replacing the happy reek of brandy, the age of the Corinthian, the plunger, and the dandy was giving way to that of the prig, the preacher, and the bore…”

 

Dumm nur, sich bei diesem Zeitgeist in einem Etablissement erwischen zu lassen, in dem Glücksspiel und Prostitution gefrönt wird. Um Haaresbreite entkommt Flashman diesem Schicksal – und macht auf seiner Flucht Bekanntschaft mit Lola Montez und Otto von Bismarck. Nur dass zu diesem Zeitpunkt die eine noch nicht „die Montez“ ist der die gekrönten Häuptern Europas in Scharen verfallen werden, und der andere noch kaum mehr als ein junger Mann mit ambitionierten Plänen. Mit seiner ihm eigenen Art schafft Flashman sich in dem jungen Bismarck einen erbitterten Feind, den er jedoch kaum ernst nimmt. Schließlich glaubt er nicht, den Mann je wieder zu sehen.

Aber man trifft sich eben doch immer zweimal im Leben und als Lola Montez, inzwischen vom bayrischen König zur Gräfin Landsfeld gemacht, ihn bittet, sie in einer dringenden und delikaten Angelegenheit in München zu besuchen, macht Flashman sich umgehend auf den Weg. Schneller als ihm lieb ist, findet er sich als Spielball Bismarcks wieder und in der Rolle eines dänischen Prinzen der eine deutsche Herzogin ehelichen soll.

Wieder beglückt Fraser seine Leser mit einer Reihe absurder Einfälle und lässt seinen (Anti-)Helden oft nur knapp entkommen. Dennoch entstehen hier Längen, die im Vorgänger so nicht da waren, was auch an daran liegen mag, dass Bismarcks Plot um den dänischen Prinzen doch stark an den Haaren herbeigezogen zu sein scheint. Für leichte Sommer-Unterhaltung sorgen die Albernheiten in historischem Rahmen jedoch allemal. 

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