Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Zwei Außenseiter

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Gavin Extence – The Universe Versus Alex Woods (Das unerhörte Leben des Alex Woods)

„In secondary school, being different is the worst crime you can commit.“ Anders zu sein ist das schlimmste Vergehen, dessen man sich schuldig machen in der Schulzeit, befindet Alexander Woods. Und er muss es wissen, schließlich ist er in der Tat ganz anders als seine Mitschüler. Das mag zum einen an seiner Mutter liegen, die sich selbst als weiße Hexe bezeichnet, einen Esoterik-Laden auf dem englischen Land betreibt, und dort unter anderem auch Wahrsagen als Serviceleistung anbietet. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Meteoriten, der die Decke des Badezimmers durchbrochen hat und den damals zehnjährigen Alex am Kopf getroffen hat.


Die Tatsache, dass Alex aus diesem Zusammenprall lebend hervorgekommen ist, hat ihn zu einer kleinen Berühmtheit gemacht. Auch, dass er im Anschluss an das Ereignis an Epilepsie leidet, ist bekannt, und macht ihn zu einem beliebten Ziel von Mobbing-Attacken in seiner Schule.

Eigentlich ist Alex ein Einzelgänger der den Großteil seiner Freizeit lesend verbringt und darauf hofft, die Schulzeit schnellstmöglich hinter sich zu bringen um dann endlich studieren zu können. Das ändert sich plötzlich, als Mr. Peterson Teil seines Lebens wird. Der amerikanische Vietnam-Veteran ist seit einiger Zeit Witwer, dreht sich täglich aus selbst angebautem Marihuana einige Joints und hat eigentlich keine große Lust, viel Zeit mit dem altklugen Jungen zu verbringen. Und dann tut er es doch und so entwickelt sich eine interessante Freundschaft zwischen zwei Außenseitern, die beiden einen völlig neuen Ausblick aufs Leben ermöglicht.

Erzählt wird die Geschichte von Alex selbst und sie beginnt damit, dass er siebzehnjährig mit 113 Gramm Marihuana im Handschuhfach und einer Urne voller Asche auf dem Beifahrersitz von der britischen Polizei verhaftet wird. Ohne genau zu erklären wie es so weit kam, holt Alex erst einmal aus und beginnt an einem seiner Meinung nach besser geeigneten Anfangspunkt – dem Einschlag des Meteoriten.

Gavin Extence setzt in diesem Buch einige sehr schöne Ideen um. Zugleich hat er es auch voll mit allen möglichen Themen gepackt: vom Umgang mit Epilepsie über andere, seltenere Krankheiten, aktive Sterbehilfe, die Schwierigkeit, seinen Überzeugungen treu zu bleiben, und und und. Das führt dazu, dass die Geschichte teilweise sehr langatmig wirkt, besonders verglichen mit dem fulminanten Auftakt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch Alex‘ altkluge Art, die Extence konsequent die gesamte Erzählung hindurch bewahrt. Dabei suggeriert der Erzählton zeitweise einen wesentlich jüngeren Erzähler als einen Siebzehnjährigen, wie immer fernab von Gut und Böse jener Siebzehnjährige auch sein mag. Überhaupt hätte selbst ein sehr wohlmeinender Lektor noch einige Szenen streichen können um das Buch zu verbessern. So ist das Buch insgesamt zwar durchaus unterhaltsam, aber Muriel Barbery hat in der Eleganz des Igels in meinen Augen eine überzeugendere altkluge kindliche Erzählerin geschaffen und eine Geschichte mit wesentlich weniger Längen erzählt.
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