Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Zwei Schwestern

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Richard Yates – The Easter Parade (Easter Parade)

Als ihre Eltern sich 1930 scheiden lassen, ist das ein Schock für Sarah und Emily. Sarah ist neun, Emily fünf. Beide leben nun bei ihrer Mutter, „Pookie“ genannt, und bekommen ihren Vater, den beide Mädchen bedingungslos anhimmeln, nur selten zu Gesicht. Darauf bedacht, dass ihre Töchter es einmal weit bringen sollen, will Pookie ihnen Zugang zu guten Schulen ermöglichen. So mietet sie gezielt Häuser in solchen Vororten die für die Qualität ihrer Schulen bekannt sind, auch wenn sie die Miete nur mühsam mit ihrem mageren Maklergehalt aufbringen kann.


Die Mädchen werden älter; Sarah wächst zu einer wahren Schönheit heran und Pookie ist sich sicher, dass sie eine gute Partie machen wird. Überhaupt ist Sarah aus Sicht ihrer Zeitgenossen die Vernünftigere der beiden Schwestern. Nachdem sie die Highschool abgeschlossen hat wird sie heiraten  und sich von nun an um Haus und Kinder kümmern. Lange scheint es so, als habe sie tatsächlich das große Los gezogen: Tony scheint ein liebevoller Ehemann zu sein und die beiden bekommen in schneller Folge drei Söhne.

Emily indes stürzt sich auf Bücher und als erste in ihrer Familie wird sie eine Uni besuchen. Einer sehr kurzen, direkt im Anschluss an das Studium geschlossenen, Ehe folgt eine Vielzahl an Beziehungen und Affären, doch das große Liebesglück bleibt aus. Dafür bastelt sie an ihrer eigenen Karriere. Sie verdient gut in der Werbebranche und findet im Job die Erfüllung, die sie in ihren Beziehungen immer vergeblich sucht.

So führt jede der Schwestern ihr Leben und sie verlieren sich für lange Zeitabschnitte völlig aus den Augen. Yates erzählt dabei vorrangig Emilys Geschichte und teilt mit dem Leser ihren Schrecken wann immer sie bei sporadischen Besuchen feststellen muss, dass sie mit ihrer Schwester nur wenig (und immer weniger) verbindet. Nicht selten schweigen sie sich mit leichtem Unbehagen an und obwohl an Emily das Gefühl nagt, dass es Sarah nicht gut geht, ist sie immer erleichtert, wenn die Treffen mit ihrer Schwester überstanden sind und sie in ihr eigenes Leben zurückkehren kann: „now that she had seen her sister, it might be many months – maybe years –  before she would have to see her again.“ Es wird Jahre dauern, bis ein Ereignis Emily schließlich der Erkenntnis aufzwingt, dass ihre Schwester Hilfe braucht.

Yates bedient sich einer klaren und schnörkellosen Sprache und drängt seine Charaktere wie auch in Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs) von einem Abgrund an den nächsten. Dabei schreibt er so packend dass man sich als Leser mitdrängen lässt und sich kaum die Zeit nehmen möchte einen Moment lang zu Atem zu kommen. So hinterlässt das Buch, obwohl nicht sehr dick, den Leser emotional völlig ausgelaugt. Missen möchte man die Erfahrung dennoch nicht.

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