Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Ein zäher Kampf vor der kalifornischen Küste

2 Kommentare

T. C. Boyle: When the Killing’s Done (Wenn das Schlachten vorbei ist)

Die Tiere auf den Kanalinseln vor Kaliforniens Küste sind in Gefahr. Andere Tierarten, die durch den Menschen in diese isolierten Ökosysteme eingeführt wurden, bedrohen ihr Fortbestehen. Auf einer der Inseln sind es die Ratten, die den bodennistenden Vögeln die Nester leer fressen. Der National Park Service will die Ratten gezielt vergiften um so zu ermöglichen, dass der Vogelbestand zu seinem alten Level zurückkehrt. Dr. Alma Boyd Takesue und ihre Kollegen sind davon überzeut, dass dies ein richtiger, wichtiger Ansatz ist: der Schaden, den der Mensch in der Natur anrichtet, soll durch solche Aktionen so weit wie möglich begrenzt oder sogar ungeschehen gemacht werden. So soll die natürliche Balance weitestgehend wieder hergestellt werden.

Andere Tierschützer sehen das anders und Dave LaJoy ist ihr Sprachrohr. Der Mittvierziger der sich blonde Dreadlocks stehen lässt, hat die Leitung seiner Läden für hochwertiges Heimkino-Equipment vor kurzem einem Manager überlassen. So hat er Geld und Zeit, die er dem Protest gegen Alma Takesue und den National Park Service widmet. „I’ll be civil when the killing’s done and not a minute before” – mit diesen Worten last LaJoy sich vom Sicherheitspersonal aus einer Veranstaltung eskortieren, auf der Takesue die Öffentlichkeit über den Plan des Park Services aufklären soll.  Und LaJoy ergreift schon bald weitere Schritte: er gründet seine eigene Tierschutzorganisation, sabotiert aktiv die Pläne des Park Services  und wird sich erst durch einen tragischen Zwischenfall aufhalten lassen.

 

Sprachlich gewohnt gekonnt etabliert T. C. Boyle schnell zwei Konfliktparteien und lässt sie auf über vierhundert Seiten ihren Weg gehen. Wobei in vielen anderen seiner Bücher die Protagonisten Zügen gleich aufeinander zurasen bis es zum unvermeidlichen Zusammenstoß kommt, sieht man ihnen hier bei einem zähen Kampf zu. Wieder spielt auch hier die Umgebung und die Interaktion der Menschen mit ihrem Umfeld eine tragende Rolle. Besonders die weiblichen Charaktere hat Boyle mit liebevoll detaillierten Vorgeschichten ausgestattet, und Alma Boyd Takesue kommt sehr viel besser weg als die meisten von Boyles Protagonisten. Die Figur des Dave LaJoy erinnert in ihrem krampfhaften Bemühen um einen lässigen Öko-Lifestyle ein wenig an Delaney Mossbacher aus Boyles The Tortilla Curtain (dt. América), nur dass LaJoy komplett ohne positive Eigenschaften auskommen muss, die ihn in den Augen des Lesers zumindest annähernd sympathisch machen könnten.

Das Buch ist nicht so rasant wie andere Bücher von Boyle, aber es ist trotzdem spannend und wirft interessante Fragen zur Koexistenz von Mensch und Tier auf. Wer hiernach noch ein wenig auf den Kanalinseln vor der kalifornischen Küste verweilen will, dem sei Boyles San Miguel ans Herz gelegt.

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2 Kommentare zu “Ein zäher Kampf vor der kalifornischen Küste

  1. Ich habe das Buch auf deutsch gelesen und muss dir da voll und ganz zustimmen. Die Beschreibung der Insel und das Miteinander der Figuren, einfach toll beschrieben! Es stößt zum nachdenken an, inwieweit wir wirklich in unsere Umwelt eingreifen dürfen…
    LG Andrea

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  2. Die Themen Tierversuche oder Schlachten mögen einige Leser schockieren. Aber es sollte doch jeden über einiges nachdenken lassen. Ein Buch, das noch lange nachwirkt!

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