Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Kuckucksuhren 270 v. Christus

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John Freely: Aladdin’s Lamp (Platon in Bagdad)

Was ist eigentlich mit dem antiken Wissen und den Erkenntnissen rund um naturwissenschaftliche Phänomene und ethische Grundsätze geschehen, nachdem das römische Reich „unterging“ und in Europa das „dunkle“ Mittelalter anbrach? Wo hat es sich versteckt, bevor seine Wiederentdeckung schließlich die Renaissance einleitete?

 In Aladdin‘s Lamp versucht John Freely genau dieser Frage auf den Grund zu gehen, und er bemüht sich, auf knapp 255 Seiten den Weg altgriechischen Wissens aus der antiken in die islamische Welt und zurück nach Europa zu beschreiben. Dabei bespricht Freely unter anderem wie ein Vorläufer der Kuckucksuhr um 270 vor Christus aussah und dank welcher ausgeklügelten Mechanismen sich in der antiken Welt Tempeltüren wie von selbst öffneten.  Dies geschieht zum Teil in etwas unbeholfenen Sätzen und mit einigen Wortwiederholungen, die dem Lektoren durchgegangen sein mögen (vielleicht wurde dies in der deutschen Übersetzung bereinigt). Mit etwas gutem Willen lässt sich diese Schwäche jedoch übersehen.

Was sich weniger leicht übersehen lässt und das Buch nach einigen Dutzend Seiten zäh dahinfließen lässt, ist die Tatsache, dass Freely das Thema sehr wissenschaftlich angeht und so etwas wie einen Erzählton überhaupt nicht aufkommen lässt. Absatzweise hangelt er sich an großen Persönlichkeiten des alten Griechenlands entlang, gibt einige Lebensdaten wider, reißt kurz die größten Erkenntnisse an, und widmet sich dann dem nächsten Denker. In dem Teil, der sich schließlich mit dem Wissen in der islamischen Welt befasst, werden diese Absätze noch knapper, sodass man als Leser den Eindruck hat, Freely wolle dieses Kapitel schnellstmöglich hinter sich bringen, um sich wieder Europa zuzuwenden. Und was dabei leider wenig bis gar keine Erwähnung findet, sind soziopolitische und kulturelle Umbrüche, die in der jeweiligen Zeit stattfinden, sei es als Auslöser oder als Resultat verschiedener wissenschaftlicher Erkenntnisse.

So hält dieses Buch leider nur sehr wenig von dem, was das Thema an sich verspricht. Wer sich für die Wiederentdeckung antiker Denker in der Renaissance interessiert, dem sei daher eher Stephen Greenblatts The Swerve ans Herz gelegt.

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