Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Rückblick 2013

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So. Alle Weihnachtsgeschenke sind besorgt und meine (Bücher-)wunschlisten geschrieben, also ist es vielleicht langsam an der Zeit, das Jahr ein bisschen literarisch Revue passieren zu lassen, und die ersten guten Lesevorsätze für 2014 zu fassen…

Die größte Herausforderung 2013 bot Navid Kermani mit Dein Name, einem starken Buch, das dem Leser auf mehr als tausend Seiten viel abverlangt, doch das jede Minute wert ist, die man damit verbringt, es zu lesen.

Die größte Überraschung bereitete mir erst kürzlich Der Komet von Hannes Stein. In dieser alternativen Weltgeschichte regt Stein teils zum Schmunzeln, teils zum Nachdenken an und lockt auch das eine oder andere Mal lautes Lachen hervor. Im Vordergrund stehen dabei nicht so sehr die charakterliche Entwicklung der Hauptpersonen oder eine besonders schöne Sprache, sondern vielmehr die unglaublich kreativen Einfälle, denen sich Stein hingibt.

Ein Buch, das den Kometen jedoch an überraschenden Einfällen noch überbot, war Oceano Mare von Alessandro Baricco. In diesem maritimen Märchen voll verschrobener Figuren folgt eine Skurrilität der anderen, weshalb es in diesem Jahr das Buch mit den originellsten Ideen war.

Die schönste Sprache fand sich in Marguerite Yourcenars Ich zähmte die Wölfin. Auf beeindruckende Art und Weise entfaltet dieses Buch innerhalb weniger Seiten eine Wucht, die selbst zögerliche Leser mitreißt, um sie am Ende sehr nachdenklich wieder an Land zu spülen.

Der größten Enttäuschung habe ich bis jetzt keine eigene Rezension gewidmet, und hier handelt es sich auch um das einzige Buch in diesem Jahr, durch das ich mich nicht bis zum Ende zu quälen vermochte: Tilman Röhrigs Wir sind das Salz von Florenz. Was eine spannende Geschichte um das Schicksal der Medici im 15. Jahrhundert sein könnte, verliert sich in teils geschwollener, teils betont lässiger Sprache und piesackt den Leser wiederholt mit dem Schicksal der jungen Laodomia, die anscheinend sehr schön, jedoch zugleich sehr dumm ist, und deren Gedanken und Verhalten selbst der historisch ahnungsloseste Leser beim besten Willen nicht im 15. Jahrhundert verorten kann. Zugleich raubt ihre grenzenlose Naivität einem jede Freude am Buch.

 

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