Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Ein bisschen Science Fiction, ein bisschen Gesellschaftskritik und sehr viel Aufregung

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Max Barry: Lexicon (noch nicht auf deutsch erschienen)

Wil Parke versteht die Welt nicht mehr. Nichtsahnend hat er sein Flugzeug verlassen und ist auf dem Weg zu seiner Freundin, die ihn doch abholen wollte. Auf einmal überwältigen ihn in einer Flughafentoilette zwei Männer, die ihm Fragen stellen, die er nicht versteht. „Wir wissen, wer du bist. Und sie wissen es auch“, sagen sie. Nur Wil weiß leider überhaupt nicht, wer er ist, komischerweise kann er sich an das Leben, das er angeblich bis vor zwei Jahre in Australien geführt hat, gar nicht erinnern.

 Langsam begreift er dann, worum es geht, und im Verlauf des Buches wird er auch seiner Vergangenheit auf die Schliche kommen. Es geht in erster Linie um Wörter, denn Worte können töten, wenn man sie richtig einsetzt. Sag mir wer du bist, und ich kann dich steuern. Diejenigen, die erkennen können, mit welchen Worten sie welche Menschen zu willenlosen Automaten machen können, die alles ausführen, was ihnen befohlen wird, sind sogenannte Poeten. Die Männer, die Will am Flughafen getroffen hat, gehören dazu. Poeten tragen die Namen echter Schriftsteller, die ihnen basierend auf ihren Fähigkeiten und ihrem Einfluss in ihrer namenlosen Organisation verliehen werden. Je berühmter der Namensvetter eines Poeten, desto gefährlicher, potenziell tödlicher, ist der Poet. Wenn also Virginia Woolf hinter einem her ist, sollte man sehr schnell rennen. Wie gut, dass T.S. Eliot dem verwirrten Will dabei hilft, ihr zu entkommen. Die Frage ist nur, warum.

Das mag alles kompliziert klingen, doch Barry gelingt es, sowohl Wil als auch dem Leser diese Welt, die etwa zehn Jahre in der Zukunft liegt, zu erklären. Schrittweise erfährt man mehr über die Organisation: wie sie ihre Poeten aussucht, und mit welchen Verfahren sie trainiert werden. Hier kommt Emily ins Spiel, ein sechzehnjähriges Mädchen, das sich mit Taschenspielertricks auf den Straßen San Franciscos durchgeschlagen hat, bis sie als Poetin rekrutiert wurde um in der organisationseigenen Akademie ausgebildet zu werden.

Barry gelingt es, alle Erzählstränge – Verfolgungsjagden, Emilys Werdegang zur Poetin und Wils Vergangenheit– gleich packend zu gestalten. Lexicon mag kein sehr anspruchsvolles Buch sein, aber es ist spannend und wartet mit einigen furchteinflößenden Ideen auf. Ein bisschen Science Fiction, ein bisschen Gesellschaftskritik und sehr viel Aufregung.

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