Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Manches will man nicht wissen

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Margaret Skjelbred: Die Perlenkönigin
Die kleine Signhild lebt mit ihrem Großvater abgeschieden auf einem alten Hof in Norwegen. Furchtbares ist geschehen, doch Signhild, von ihrem Großvater oft liebevoll mit dem Spitznamen Perlenkönigin versehen, erinnert sich nur selten daran. Manchmal suchen sie nachts Erinnerungen heim – zwei starke Hände, die sie packen, eine wütende Männerstimme, Angst. Ihr Großvater bemüht sich, diese Erinnerungen zu verdrängen. Er spinnt eine wunderbare Märchenwelt, die er wie einen wundervollen Teppich vor seiner Enkelin ausbreitet. Trolle, Prinzessinnen und Schmetterlinge bewohnen diese Welt, und Signhild, die Perlenkönigin, befindet sich mitten unter ihnen.

Im Sommer vor ihrer Einschulung schließlich muss ihr Großvater einsehen, dass sie auf die richtige Welt vorbereitet werden muss: „Die Geschichten können sie nicht länger beschützen, nicht mehr in der Einsamkeit einschließen, ihn und das Kind, in dem schützenden Kokon von Vergessen, den er so sorgsam um sie beide gesponnen hat.“ Also macht er sich schrittweise daran, die bruchstückhaften Erinnerungen zu einer Geschichte zu verknüpfen.

Während die Perlenkönigin langsam beginnt, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern, und in diesen Abschnitten auch als Erzählerin fungiert, präsentiert eine andere Stimme die Vergangenheit ihres Großvaters und die Kindheit ihrer Mutter. Vieles lässt Skjelbred dabei ungesagt; sie macht Andeutungen, beginnt, ausführlicher zu skizzieren was geschieht, und schweift dann wieder ab. So hascht der Leser genau wie Signhild nach einzelnen Eindrücken um dem Geschehen auf den Grund zu gehen, und fühlt sich hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, alles zu erfahren, und dem Bedürfnis, manche Sachen nicht so genau zu wissen.

Skjelbred hat so ein Buch geschaffen, das mit viel Können zwei schaurige Geschichten erzählt. Für dunkle und stürmische Herbsttage ist es absolut nicht geeignet, aber vielleicht wagt sich der ein oder andere in gleißendem Sommer-Sonnenschein an die Geschichte. Es ist ein gutes Buch, aber „schöner“ war die Trilogie „Die Vestfold-Saga“ trotz aller Traurigkeit auf alle Fälle. Wer also Lust auf eine skandinavische Familiengeschichte hat, sollte sich Lerchenherzen, den ersten Teil hieraus, vornehmen. 
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