Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Wahn statt Liebe

Hinterlasse einen Kommentar

Ian McEwan: Enduring Love (Liebeswahn)

Joe und Clarissa, seit sieben Jahren ein Paar und glücklich verheiratet, möchten eigentlich nur gemeinsam picknicken. Doch kaum haben sie sich am Rande eines Feldes nahe Oxford niedergelassen sehen sie wie ein Heißluftballon beinahe abstürzt. Joe rennt  auf das Feld um dem Ballonfahrer, der ein Kind an Bord hat, zu helfen. Zeitgleich kommen aus verschiedenen Richtungen andere Männer auf das Feld gelaufen, die dasselbe Ziel haben wie Joe.

Kopflos rennen die Männer durcheinander; niemand hört auf den Ballonfahrer, der versucht, ihnen Anweisungen zu geben. Ein Mann stirbt. Doch der Schock, den dieses Ereignis bei Joe und Clarissa auslöst, verblasst schnell, als Joe bemerkt, dass er einen Stalker hat. Einer der Männer, die auf dem Feld zusammenkamen, lauert ihm nun fast täglich vor seiner Haustür auf. Er ruft an, schreibt Briefe, und ist felsenfest davon überzeugt, dass Joe seine Frau für ihn verlassen wird und dass sie beide in ihrer Liebe zueinander und in Liebe zu Gott glücklich werden.

Clarissa winkt die Angelegenheit beiseite. Sie selbst trifft den ominösen Mann niemals vor der Haustür und es scheint, als befürchtet sie irgendwann, dass die ganze Geschichte Joes Schock von dem Unfall zuzuschreiben ist. Einmal versucht sie vorsichtig, Joe darauf aufmerksam zu machen, dass die Handschrift in den Briefen der seinen sehr ähnlich ist. Während Joe sich immer mehr in seine Theorie verrennt und schlussendlich selbst die Initiative ergreift um der Sache ein Ende zu bereiten, will man immer schneller und schneller lesen, um so herauszufinden, ob Clarissa vielleicht tatsächlich recht hat mit ihrer Vermutung.

Die Geschichte, zum größten Teil aus Joes Sicht erzählt, beginnt mit einem Knall und wird dann fulminant fortgeführt. Die Ereignisse, die man eigentlich nach einem solchen Vorfall wie dem Ballonunglück erwarten würde, spielen sich nebensächlich ab. Am Rande wird erwähnt, dass Ermittlungen aufgenommen wurden um dem Tod des Mannes auf den Grund zu gehen. Im Vordergrund jedoch steht die Geschichte von Joe und Parry. Es ist faszinierend zu sehen, wie ein Ereignis hier eine Reihe an Geschehnissen anstößt, die mit dem eigentlichen Auslöser nichts zu tun haben.

McEwans Buch ist spannend, einfallsreich und voll gutgewählter Pointen. Einziges Manko in meinen Augen ist Clarissa – die genaue  Motivation hinter einigen ihrer Reaktionen bleibt schleierhaft, und dadurch wirken manche Wendungen etwas gequält.

Übrigens: Das Buch wurde mit Daniel Craig in der Hauptrolle verfilmt. Zum Film selbst kann ich noch nicht viel sagen, aber auch die Besetzung mit Rhys Ifans (Notting Hill) als Stalker sieht vielversprechend aus… Mehr Infos zum Film hier

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s