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T.C. Boyle: San Miguel (San Miguel)
San Miguel ist eine abgeschiedene, windige Insel vor der Küste Kaliforniens. Hier wachsen keine Bäume, und die regelmäßig auftretenden Sandstürme peitschen beinahe ungehindert über die Insel hinweg, umspielen die Schafe und das einsame Haus, das hier steht. Die Insel wird als Schafranch genutzt, und im Verlaufe von Boyles Buch lernen wir zwei Männer kennen, die hier ihr Glück versuchen wollen. San Miguel ist allerdings nicht die Geschichte dieser Männer, sondern der Frauen die mit ihnen kamen: Marantha, Edith und Elise.

Marantha kommt 1888 nach San Miguel; ihr Mann, Bürgerkriegsveteran Will Waters, hat die letzten Ersparnisse seiner Frau in die Teilhabe an dieser Ranch gesteckt. Marantha ist schwindsüchtig, doch Will versichert ihr, dass die frische Seeluft ihr helfen wird. Die beiden bringen Edith mit auf die Insel, Maranthas vierzehnjährige Adoptivtochter, und Ida, das Hausmädchen. Außerdem sollen zwei Männer (genauer gesagt ein Junge, Jimmie, und ein Mann, Adolph) Will bei den schweren Arbeiten helfen. Captain Waters, wie sie ihn respektvoll nennen, hat nämlich große Pläne für die Insel. Sie soll ihn reich machen, und er verspricht Marantha, mit deren Gesundheit es stetig bergab geht, dass er ihr das Geld zurückzahlen kann.

Edith, die auf Maranthas Wunsch nach einiger Zeit auf ein angesehenes Internat in San Francisco geschickt wird, kehrt wenige Jahre später mit ihrem Stiefvater zurück nach San Miguel, nachdem ihre Mutter der Schwindsucht erlegen ist. Im zweiten Teil des Buches konzentriert Boyle sich also auf ihre Geschichte, und besonders ihre verzweifelten Versuche, der Insel zu entkommen, auf der ihr Stiefvater sie wie eine Gefangene hält.

Boyle beendet Ediths Geschichte abrupt und setzt 40 Jahre später mit einer völlig anderen Familie wieder ein. 1930 betritt Elise zum ersten Mal San Miguel. Bis vor kurzem noch war sie Bibliothekarin in New York in ihren Dreißigern und bereits darauf gefasst, als alte Jungfer zu enden, bis sie plötzlich Herbie gegenüberstand. Der quirlige Mann heiratet sie bald und nimmt sie mit an die Westküste, wo er auf San Miguel sein Glück versuchen will. Elise lebt sich ein – das Haus, das nun auf der Insel steht bietet mehr Annehmlichkeiten als es noch im vorigen Jahrhundert der Fall war, und Jimmie, der immer noch auf der Insel lebt, geht den beiden zur Hand und hilft ihnen, sich zurechtfinden. Er ist es auch, der Elise und dem Leser erzählt, wie Ediths Leben nach dem abrupten Ende des zweiten Teils weiter verlaufen ist.

Es scheint als könnte San Miguel für Elise und Herbie das Paradies auf Erden sein. Völlig unerwartet bekommt Elise noch zwei Kinder und die Depression, die das Land erfasst, zieht an der Insel vorbei. Doch natürlich vermag Boyle es auch hier, seine Protagonisten leiden zu lassen. Insgesamt legt er mit San Miguel die Geschichte einer Insel vor, die mit starken Charakteren und melodischer Sprache aufwartet – im Englischen ganz besonders, doch auch die deutsche Übersetzung schien beim Anlesen zu überzeugen.

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