Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Irgendwo in den vier Ecken der Zivilisation

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Patrick Rothfuss: The Name of the Wind (Der Name des Windes)

Seinen ersten Teil der Kingkiller Chronicles lässt Rothfuss in einer ruhigen Taverne in einem entlegenen Ort irgendwo in den Four Corners of Civilization beginnen. Der Besitzer der Bar, Kote, wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Schnell wird jedoch klar, dass er etwas verbirgt. Wenig später wird auch klar, was. Devan Lochees, genannt the Chronicler, erkennt in ihm Kvothe, den Helden der mit den Göttern gesprochen, den Wind kommandiert, und Lieder gesungen hat, die den Minnesängern seiner Welt die Tränen in die Augen treiben.

Was hat ihn in dieses Dorf, in diese Bar gebracht? Warum hat er seinen Namen geändert und versucht so konzentriert, seine Identität und seine Vergangenheit hinter sich zu lassen? Und wie viel Wahrheit steckt in den Dutzenden von Legenden, die sich um seinen Namen ranken? Chronicler sammelt Geschichten und Sagen, und er drängt Kvothe, ihm seine Geschichte zu erzählen, so dass er sie aufschreiben kann und der Welt die Wahrheit über den Kingkiller präsentieren kann.

Nach einigem Zögern gibt Kvothe nach. Er beginnt seine Geschichte mit Szenen aus seiner Kindheit. Während er vom Wanderzirkus seiner Eltern und seiner Ausbildung unter einem Alchemisten/Zauberer/Universalgelehrten erzählt, präsentiert er gleichzeitig dem Leser die Four Corners of Civilization: Rothfuss nutzt bewusst Sprichworte und Redewendungen, die wir auch kennen („Mother of God“ ist ein Beispiel) und unterlegt sie dann mit einem ganz anderen Hintergrund, mit Mythen, Legenden und einer Wirklichkeit, die es nur in Kvothes Welt so geben kann. Hier sei auch angemerkt, dass jede Assoziation mit Game of Thrones, die vielleicht aufgrund des Wortes Kingkiller (vgl. mit dem Kingslayer Jamie Lannister) fehl am Platze ist. Kvothe und Lannister sind von Grund auf verschieden, und seine Geschichte ist eine ganz andere.

Der Großteil der Geschichte wird aus Sicht Kvothes erzählt. Dabei schweift er wiederholt ab und erläutert Sagen und wissenschaftliche Thesen. Dabei konzentriert er sich besonders auf Magie – wie sie funktioniert und wo ihre Grenzen liegen. Von Zeit zu Zeit setzt Rothfuss in der Gegenwart an und erzählt in dritter Person von Kote, Chronicler, und dem geheimnisvollen Bast, der dem Helden ein unterwürfiger Freund ist, zeitgleich jedoch auch Dämonenblut in sich zu haben scheint.

Dieser erste Teil der Trilogie endet in Kvothes Jugend und mit einigen düsteren Andeutungen, die versprechen, dass unbeantwortete Fragen in den folgenden beiden Teilen eine Antwort finden dürften. Die Four Corners of Civilization erschließen sich dem Leser vielleicht nicht ganz so schnell so umfassend wie Mittelerde oder die Scheibenwelt, aber man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, in sie einzutauchen. Rothfuss belohnt den geduldigen Leser mit düsteren Dämonen und drogenabhängigen, vegetarischen Drachen; mit Feindschaften, Liebesgeschichten und einer interessanten Art der Magie.

Übrigens: Sehr bald soll die Geschichte auch ihre eigene Serie bekommen. Mehr Infos hier.
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