Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Aufregend und aufwühlend

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Wiley Cash: A Land More Kind than Home (Fürchtet euch)

“People out in these parts can take hold of religion like it’s a drug, and they don’t want to give it up once they’ve got hold of it.”

Christopher, der Bruder des neunjährigen Jess, ist stumm; von Geburt an kann er nicht reden. Doch dann erklärt Pastor Chambliss, dass Gott den Jungen heilen könnte. Nach zwei entsprechenden Sitzungen ist der Junge tot – eine der mehrfach gebrochenen Rippen hat seine Lunge punktiert. Chambliss schiebt das auf den Willen des Herren. Die Mutter des Kindes akzeptiert die Erklärung, doch der Vater ruft die Polizei.

Dem Sheriff ist Chambliss bereits vor Jahren aufgefallen, als er aus dem Nichts in dem kleinen Ort in North Carolina auftauchte, und in einem leerstehenden Laden seine evangelikale „Kirche“ eröffnete. Noch vor dem Sheriff weiß der Leser, dass Christopher nicht das erste Kirchenmitglied ist, das bei einer Heilung im Verlauf der Messe ums Leben kommt.

Streng genommen beginnt der Roman mit dem Tag, an dem der tote Christopher in das Haus von Adelaide Lyle getragen wird. Die alte Dame hat nach dem ersten Todesfall unter Chambliss der Kirche den Rücken zugewandt und es sich zur Aufgabe gemacht, die Kinder der Gemeindemitglieder vom Gottesdienst fernzuhalten. Überrascht und erschrocken gewährt sie der völlig verstörten Mutter mit ihrem toten Kind Einlass. Sie ist es auch, die dem Sheriff vom ersten Todesfall erzählt, und davon, dass Chambliss‘ Gemeinde ihre Gottesdienste mit Klapperschlangen begeht um zu testen, ob sie Auserwählte des Herren sind, die von den Tieren verschont werden.

Erzählt wird die Geschichte aus drei Perspektiven: Jess, Adelaide Lyle und Sheriff Barefield kommen zu Wort und erläutern ihre Sicht auf die Dinge. Das Buch beginnt eigentlich mit Christophers Tod und endet mit dem großen Showdown drei Tage später, doch Jess, Miss Lyle, und Barefield nehmen den Leser mit auf Zeitreisen, die Jahre vorher ihren Anfang nehmen und die Geschichten ganz anderer Menschen erzählen: Barefields Sohn, Miss Lyles Tante, und Jess‘ Freund Joe Bill, dessen älterer Bruder in seiner Brutalität den guten Chambliss eigentlich noch übertrifft.

Cash versteht es meisterhaft, die Erzählstränge seiner drei Protagonisten abwechselnd weit auseinander laufen zu lassen, und sie dann wieder zusammenzubringen, indem sie aus drei Blickwinkeln dasselbe Ereignis beschreiben, ohne sich dabei zu wiederholen.

Richtige Detektivarbeit müssen hier weder der Leser noch der Sheriff leisten und trotzdem bleibt die Geschichte aufregend und aufwühlend.

Gedankennahrung: „It’s a good thing to see that people can heal after they’ve been broken, that they can change and become something different from what they were before.“

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