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Zombie-Historie

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ae915-worldwarz_200-s6-c101Max Brooks: World War Z (Operation Zombie)

Vor mehr als zehn Jahren sind die Toten auferstanden und haben die Welt, wie wir sie kennen, überrannt. Wer jetzt denkt, World War Z sei eine platte Horrorstory, die auf blutige Ekelmomente angelegt ist, denkt falsch. Das mag zum großen Teil damit zusammenhängen, dass der Autor, nach eigener Aussage, ein „history nerd“ ist:

„Everything that I put in World War Z has actually happened at some point in human history. All I did was zombify it.“
(Quelle)

Das zeigt sich bereits in der Art und Weise, in der Brooks seine Geschichte strukturiert hat. So kommt der Protagonist in der Einleitung zweieinhalb Seiten lang zu Wort – und verschwindet danach im Hintergrund. Das Buch ist nämlich eine Sammlung von Zeitzeugenberichten aus dem Zombie-Krieg, oder World War Z. Das Buch setzt zehn Jahre nach dem offiziellen Kriegsende ein. Der Erzähler hat für die UNO die Welt bereist um einen Bericht über den Ausbruch und Verlauf des Krieges zu erstellen.

Unzufrieden mit dem Bericht, der sich auf technische Details konzentriert, und Zahlen mehr Bedeutung beimisst als den Menschen an sich, beschließt der Erzähler, die Aufzeichnungen seiner Gespräche mit den Zeitzeugen in Buchform zu veröffentlichen: „This is their book, not mine, and I have tried to remain as invisible a presence as possible.“

Ein roter Erzählfaden liegt also nicht vor, aber Brooks hat die beschriebenen Episoden sehr achtsam angeordnet, sodass sich schnell ein steiler Spannungsbogen spannt. Dabei gehen die Personen, mit denen der Erzähler seine Interviews führt, besonders auf geopolitische Ereignisse und Probleme ein, und lassen den Leser daran teilhaben, wie Politiker, Militär und Zivilisten in den unterschiedlichsten Ländern mit der Katastrophe umgehen, wie sie ihre Handlungen rechtfertigen, und wie jeder für sich versucht, die Welt wieder aufzubauen.

Das erste Interview führt der Protagonist mit einem chinesischen Landarzt, der sich an seine erste Begegnung mit den Untoten erinnert, lange bevor die Plage Schlagzeilen macht. Kurz darauf treffen wir ein Mitglied der Pharmalobby, das sich rühmt, zu Beginn der Plage dank eines wirkungslosen Impfstoffes Millionen gemacht zu haben.

Geographisch liegt der Schwerpunkt auf den USA (die im Laufe des Krieges zu den Verlierernationen gehören), aber wir finden uns auch auf Kuba wieder (der stärksten Wirtschaftsmacht der Kriegsjahre), sowie auf jedem Kontinent der Erde.

Brooks umgeht in seinem Buch Zombie-Klischees und verzichtet bewusst auf jeglichen „Splatter“-Effekt. Ein kluges Buch über den Zustand unserer Welt und Gesellschaft.

Übrigens: Die Filmrechte an dem Buch hat sich Brad Pitt gesichert; in den deutschen Kinos läuft World War Z am 27. Juni 2013 an. Im Mai diesen Jahres hat Max Brooks bereits klargestellt, dass Film und Buch nur den Titel gemeinsam haben (Quelle). Mein Tipp ist daher, unbedingt das Buch zu lesen, bevor man sich die Lust darauf mit dem Film verdirbt, der sich mehr auf Schockmomente als auf moralische Dilemmata konzentriert.

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