Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

„Einer der wichtigsten Denker und Naturforscher“

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Matthias Glaubrecht – Am Ende des Archipels. Alfred Russel Wallace

„Tatsächlich ist Alfred Russel Wallace einer der wichtigsten und zu Unrecht in seiner bisherigen Rolle vernachlässigten Denker und Naturforscher.“

 
Alfred Russel Wallace (1823-1913) war Naturforscher und Artensammler. Außerdem ein Zeitgenosse Darwins und, nebenbei, Mitentdecker der Evolutionstheorie. Zu Lebzeiten durch seine riskanten Ein-Mann-Expeditionen durch Amazonien und den Malayischen Archipel bekannt geworden, geriet seine ausschlaggebende Beteiligung am „Darwinismus“ schon sehr bald in Vergessenheit.

Glaubrecht schafft hier Abhilfe. In dem ersten deutschen Buch überhaupt über Alfred Russel Wallace, stellt er den bescheidenen Mann ins Rampenlicht, durchleuchtet seinen Werdegang vom vierzehnjähriegn Schulabbrecher zum Autodidakten, dem im Fieberwahn die Erkenntnis kommt, warum sich Tierarten in unterschiedlichen Regionen voneinander unterscheiden – weil sie sich an ihre Umgebung anpassen.

Hier hört seine wissenschaftliche Arbeit jedoch nicht auf, und Wallace wird sich sein ganzes langes Leben über mit Fragen der Biologie und Biogeogeographie beschäftigen. Mit fortschreitendem Alter wird für ihn auch besonders das englische soziale System immter interessanter, und er veröffentlicht eine Reihe von Utopien die sich auf soziale und demokratische Staatsformen stützen.

Glaubrecht vermag es, selbst Biologie-Laien die Bedeutung und Tragweite von Wallaces Entdeckungen zu vermitteln. Außerdem wirft er eine spannende Frage in den Raum, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat: wie maßgeblich war Wallace an Darwins Theorie beteiligt, und wie fair verhielt sich Darwin seinem Mitentdecker gegenüber? Dennoch muss sich kein Leser Sorgen um wirre Verschwörungstheorien machen – Glaubrecht hat gründlich recherchiert und versorgt jede seiner dahingehenden Thesen mit Antithesen und Belegen.

Insgesamt ist das Buch eine spannende Mischung aus Wallaces wissenschaftlichem Werk und seinem Privatleben. Auch die gesellschaftlichen Begebenheiten der viktorianischen Zeit spielen eine Rolle, und spätestens als Wallace ganz zu Beginn seiner Karriere einem Schiffsunglück nur knapp lebend entkommt, wünscht man ihm von ganzen Herzen, dass er den Sprung in das elitäre wissenschaftliche Establishment Londons schafft.

Übrigens: Mit 85, kurz vor seinem Tod, stellte  Wallace die Frage, ob Leben auf dem Mars möglich sei. Das macht ihn zu einem der ersten Wissenschaftler, der diese Frage ernsthaft in den Raum warf.

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