Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Drei Papenburger irgendwo in Afrika

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Alex Capus – Eine Frage der Zeit

Alex Capus beginnt sein Buch mit dem Ende der Geschichte: „blind und irr vor Erschöpfung“ begegnet uns hier Anton Rüter. Da liegt schon eine ganze Menge hinter ihm, und nach wenigen Seiten tritt Capus einen Schritt zurück und beginnt am Anfang: Im November 1913 erhalten drei Angestellte der Meyer Werft in Papenburg einen Auftrag. Sie sollen die Götzen, ein imposantes Dampfschiff, im Auftrag des Reichskolonialamtes auseinanderbauen, es nach Deutsch-Ostafrika bringen, und es dort am Tanganikasee wieder zusammenbauen. Der Schiffbaumeister Rüter, der Handwerksbursche Hermann Wendt, und Nieter Rudolf Tellmann, nehmen den Auftrag an und machen sich auf den Weg.

Während die drei Untertanen des deutschen Kaisers auf dem Weg nach Afrika sind, stellt Capus uns kurz eine weitere Person vor, die für den Verlauf der Geschichte von großer Wichtigkeit ist: Leutnant Geoffrey Spicer Simson, der im Auftrag der britischen Marine auf einem heruntergekommenen, verrußten kleinen Dampfboot (oder eher Dampfbötchen), den Gambia-Fluss hinauf- und hinabfährt, um die Gegend zu kartographieren. Simson ist „Fachmann auf allen Gebieten und stets gern bereit, auch ausgewiesene Experten an seinem Wissen teilhaben zu lassen.“

Später wird es so sein, dass Simson ebenfalls einen Auftrag erhält: er soll sich auf den Weg nach Deutsch-Ostafrika machen, und dort ein Dampfschiff mit einer Dreipfund-Kanone versenken. Schließlich steht der erste Weltkrieg vor der Tür.

Bevor es so weit kommt, begleiten wir die drei Papenburger Werftarbeiter auf ihrem Weg nach Afrika. Mit ihnen erleben und bestaunen wir dieses andere Leben und betrachten, wie sie alle ein kleines bisschen der Frau des deutschen Gouverneurs vor Ort verfallen, und sich an ihr neues Leben gewöhnen. Als dann tatsächlich Krieg ausbricht, der auch hier, soweit abseits von Europa, zu spüren ist, muss plötzlich jeder selbst sehen, wie er mit der ungewohnten Situation fertig wird.

Der Stoff, den Capus hier behandelt, könnte schwer im Magen liegen. Doch erzählt er so leicht und unbeschwert, dass es sich wirklich schön liest. Ein Buch voller Menschen, von denen jeder für sich das Herz des Lesers ein bisschen erobert.

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Und zur Abwechslung ein Film: Manchen mag der Plan, irgendwo in Afrika mit einem kleinen Kutter gegen ein Kriegsschiff anzutreten, bekannt vorkommen. Tatsächlich macht das Buch Lust auf African Queen; allerdings muss gesagt werden, dass Leutnant Geoffrey Spicer Simson nicht halb so abgebrüht ist wie Humphrey Bogart als Charlie Allnut.

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